Es sind jetzt nur noch wenige Stunden. Wenn alles nach Plan läuft, hat die CDU am Samstagmittag einen neuen Vorsitzenden. Endlich, elf Monate, nachdem Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer ihren Abschied angekündigt hatte. Würde die CDU ihren Parteitag wie sonst abhalten, könnte man die Nervosität im Saal spüren, in den Delegiertenreihen, oben auf dem Podium, auf dem Weg zum Klo.

Aber die angespannte Stimmung bei den Christdemokraten ist an diesem Freitagabend selbst im Rahmen dieses eigenartigen Digitalparteitags wahrzunehmen. Sein Hashtag lautet #wegenmorgen: Friedrich Merz, Armin Laschet oder Norbert Röttgen – wer wird’s?

In dem gigantischen Studio auf der Berliner Messe gibt sich Generalsekretär Paul Ziemiak maximal aufgeräumt, im Tagungspräsidium versucht man sich immer wieder an kleinen Scherzen, es gibt viele bunte Filmchen und flippige Musik. Aber unbeschwert ist hier niemand. Von der Personalentscheidung am Samstag hängt so vieles ab für die CDU: Weiter so mit Laschet, eher ein Bruch mit Merz oder ein bisschen von allem mit Röttgen?

Und was passiert sonst noch zum Auftakt des Parteitags? Fünf Beobachtungen:

1. Kramp-Karrenbauer geht – und die CDU verpatzt den Abschied

Die scheidende Parteivorsitzende hält für ihre Verhältnisse eine fast schon emotionale Rede, was nach normalen Maßstäben immer noch einen eher nüchternen Vortrag ergibt. Aber Kramp-Karrenbauer hat so viel einstecken müssen seit ihrem furiosen Start als CDU-Chefin vor zwei Jahren, dass sie sich immer mehr in sich zurückgezogen hat.

»Dieser Schritt war schwer. Aber er war reiflich überlegt und er war richtig«, sagt sie über ihre Ankündigung im Februar vergangenen Jahres, den Vorsitz niederzulegen und damit auch aus dem Rennen um die Unionskanzlerkandidatur auszusteigen. Damals war die Lage in Thüringen eskaliert, Kramp-Karrenbauers Vermittlungsversuche mit der dortigen CDU kolossal gescheitert. »Euren Erwartungen und meinen eigenen Ansprüchen nicht immer gerecht…