Es ist nicht überliefert, ob und wie das Wirecard-Management einer seiner treuesten Unterstützerinnen dankte. Ein Sonderlob aber hätte Heike Pauls gleich mehrfach verdient gehabt. Nicht nur, dass die von Berufs wegen zu Distanz verpflichtete Commerzbank-Analystin Wirecard-kritische Presseberichte als »fake news« abkanzelte und kurz vor dem Kollaps des Skandalkonzerns noch von 230 Euro als Kursziel für die Aktie fantasierte; sie belieferte die Führung des Zahlungsdienstleisters auch mit vertraulichen Informationen, die sie zuvor am Kapitalmarkt eingesammelt hatte. Das zeigen vertrauliche Mails, die dem SPIEGEL vorliegen.

In der Sitzung des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses zur Aufklärung der Wirecard-Affäre an diesem Donnerstag tritt Ex-Commerzbank-Chef Martin Zielke als Zeuge auf. Ob er sich für Pauls ins Zeug legt, wie die Analystin es für Wirecard tat, wird der Verlauf der Befragung zeigen. Und auch, in welchem Zusammenhang ihre Analysen mit den sonstigen Aktivitäten der Commerzbank in Sachen Wirecard standen: Das teilstaatliche Geldhaus gehörte bis zum Schluss zu Wirecards größten Kreditgebern. Doch dieser Kredit ist längst wertlos. Rund 175 Millionen Euro musste die Commerzbank im vergangenen Jahr auf Wirecard abschreiben.