Der russische Regierungskritiker Alexej Nawalny soll nach der Rückkehr in sein Heimatland offenbar festgenommen werden. Das berichteten russische Medien und die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf ein Schreiben der russischen Strafvollzugsbehörde.

Nawalny soll demnach vor einer Gerichtsverhandlung festgenommen werden, an der er teilnehmen soll. Hintergrund ist ein angeblicher Verstoß gegen die Bewährungsauflagen einer Haftstrafe, zu der Nawalny 2014 verurteilt worden war. Die russischen Justizbehörden hatten beantragt, Nawalnys Bewährungsstrafe in eine echte Haftstrafe umzuwandeln, weil er die Auflage, sich regelmäßig persönlich bei den Behörden zu melden, missachtet habe. Ein Gerichtsprozess dazu ist am 29. Januar geplant.

Nawalny: Bewährungszeit lief 2019 aus

Zuletzt war der Oppositionelle einer Aufforderung aus dem Dezember nicht gefolgt, sich binnen weniger Tage persönlich im Büro der Behörde zu melden. Nawalny teilte dazu mit, die Bewährungsstrafe habe bereits am 30. Dezember 2019 geendet.

Am Mittwoch hatte Nawalny angekündigt, an diesem Sonntag nach Russland zurückkehren zu wollen. Seit er im vergangenen August mit dem Nervengift Nowitschok vergiftet worden war, hält sich Nawalny zur Heilung in Deutschland auf. Zunächst war er an der Berliner Charité behandelt worden. Für den Giftanschlag macht Nawalny Russlands Präsident Wladimir Putin verantwortlich. Der SPIEGEL hatte zudem enthüllt, wie Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes FSB an dem Mordversuch mitgewirkt haben.

Nawalny trug selbst zur Aufklärung bei: So gab er sich etwa als Assistent eines Putin-Beraters aus – und brachte einen FSB-Agenten dazu, ihm Details des Anschlagsplans zu verraten. Die russische Regierung bestreitet weiterhin eine Verwicklung in den Fall.

Während Nawalny sich in Deutschland aufhielt, hatte die russische Justiz gegen ihn ein weiteres Verfahren wegen »groß angelegten Betrugs« eröffnet – offenbar, um weiter Druck aufzubauen. Nawalny wird…