Jean-Paul Casterman war sieben Jahre alt, als er ein Blatt Papier mit einer Zeichnung geschenkt bekam. Für den kleinen Jungen war es nicht weiter von Nutzen. Er faltete es und verstaute es für Jahrzehnte in der Schublade. Der Schenker war kein geringerer als der Künstler Hergé, der eigentlich Georges Remi hieß. Der Belgier wurde von Jean-Pauls Vater Louis Casterman im gleichnamigen Verlag vertreten. Dass es sich bei diesem kleinen Aquarell, in dem sich Tim und Struppi vor einem Drachen in einer gigantischen chinesischen Vase verstecken, Jahrzehnte später um einen millionenschweren Schatz handeln würde, war wohl keinem der Beteiligten klar.

Comiczeichner Georges Remi alias Hergé kurz vor seinem Tod 1983

Es handelt sich um die erste Version des Umschlagbildes von „Der Blaue Lotos“. Sie war dem Verleger für die Reproduktion zu aufwendig, deshalb wurde sie verworfen und landete im Kinderzimmer. Am 14. Januar ging dieses 34 x 34 Zentimeter große Blatt mit einem Schätzpreis von zwei bis drei Millionen Euro in die Auktion in Paris, der Erlös lag am Ende nach einer Bieterschlacht sogar noch höher. Der Name des privaten Käufers ist nicht bekannt. 

Tim & Struppi in China

Hergé (1907-1983) ist der geistige Vater der Reihe „Les Aventures de Tintin“ (auf Deutsch: „Tim und Struppi“). Die Comics erzählen von den Abenteuern eines jungen Reporters namens Tintin und seines treuen Hundes. Ihr Schöpfer Hergé war ein Perfektionist und ein Visionär. Der Band von 1936 der Tintin-Serie hat einen besonderen Stellenwert im künstlerischen Kosmos Hergés. Es markiert eine Öffnung hin zu fremden Kulturen. In diesem Fall der chinesischen.

Im Gegensatz zu den vier vorangegangenen Alben sei Hergé bei der Erstellung von „Le Lotus bleu“ darauf bedacht gewesen, sich über die Kultur und Geschichte des Landes zu informieren, um einen größeren Sinn für Realismus zu schaffen, sagt Eric Leroy, Comic-Experte beim Auktionshaus Artcurial in Paris im DW-Interview. „Farbstark fesselt…