Am Ende hüpften sie in einer Menschentraube über den Platz. Das Schneegestöber, der Wind, die Kälte, die fast drei Stunden Kampf – alles vergessen. Die Muskelkrämpfe und Blessuren – sie schienen sie nicht mehr zu spüren. Gerade hatte Fin Bartels den entscheidenden Elfmeter zum 6:5 verwandelt, nachdem Bayerns Marc Roca am Kieler Torwart Ioannis Gelios gescheitert war. „Vor dem Elfmeterschießen haben wir gesagt: ‚wir hauen die Dinger rein'“, berichtete ein glücklicher Bartels, was ja auch gelang: jeder Schuss ein Treffer.

„Wir wussten, dass die Chance sehr klein ist, aber je länger wir es offen halten, umso größer wird sie“, freute sich Kiels Kapitän Hauke Wahl nach der Partie in der ARD: „Krasse Leistung der Jungs, besonders im Elfmeterschießen. Wir hatten nichts zu verlieren.“ In der regulären Spielzeit hatten Serge Gnabry (14. Minute), Fin Bartels (39.), Leroy Sané und Hauke Wahl (90.+5) zum 2:2 getroffen. Holstein spielt nun im Achtelfinale gegen den Ligarivalen Darmstadt 98. Bayern ist zum ersten Mal seit 2000 so früh im Pokal ausgeschieden.

Bayern-Torwart Neuer muss den Kielern beim Jubeln zusehen

Müde Bayern trotz Extrawurst

Die Begegnung der 2. Runde des DFB-Pokals war auf Antrag der Bayern auf diesen Termin Mitte Januar verlegt worden. Eigentlich hätte sie schon kurz vor Weihnachten stattfinden sollen, aber mit Rücksicht auf die kurze Sommerpause durch die Champions-League-Endrunde im August und die hohe Belastung der Spieler hatte sich der DFB erweichen lassen und den Münchenern diese Extrawurst gebraten.

Ein Erholungseffekt war beim Triple-Sieger dennoch nicht festzustellen. Schlimmer noch als beim 2:3 in der Bundesliga am vergangenen Wochenende in Mönchengladbach unterliefen den arrivierten Profis wie Joshua Kimmich oder Niklas Süle teils haarsträubende Fehlpässe, Stockfehler, verlorene Zweikämpfe. Die Helden sind müde.

Dabei hatte die Partie noch halbwegs nach dem Geschmack der Favoriten begonnen. Das 1:0 – geschenkt! Thomas Müller…