Selbst in Italien kannten nicht viele Menschen den Namen des Juristen Giuseppe Conte, als er im Juni 2018 zum Ministerpräsidenten ernannt wurde. An jenem Tag begann eine schwindelerregende Karriere, auf deren Höhepunkt Conte zum beliebtesten Regierungschef seines Landes seit Jahren aufstieg. Am Mittwoch, gegen 18.15 Uhr, wurde dieser Höhenflug vorerst gestoppt.

Matteo Renzi, sein Koalitionspartner und Rivale, zog seine Ministerinnen zurück und sprengte die Regierung. Jetzt muss Conte nicht nur um sein politisches Überleben kämpfen, sondern auch darum, dass Italien in seiner schwersten Nachkriegskrise handlungsfähig bleibt. Wenn Conte verliert, könnte der Rechtspopulist Matteo Salvini nach Neuwahlen sein Nachfolger werden. Wie konnte es dazu kommen, dass dem Premier die Macht derart entglitt?

Eigentlich sah es gut aus für Giuseppe Conte in diesen Wochen. Italiens Impfquote liegt weit vor der deutschen. Die Infizierten-Zahlen sind zurzeit einigermaßen unter Kontrolle, jedenfalls wenn man sie mit dem Vereinigten Königreich oder Spanien vergleicht. In vielen Städten sind zumindest tagsüber wieder Restaurants geöffnet.