Noch nie zuvor ist so viel Geld in die deutsche Biotechnologie-Branche geflossen wie im vergangenen Jahr – vor allem wegen der beiden Impfstoffentwickler Biontech und Curevac. Mehr als drei Milliarden Euro sammelte die Biotech-Industrie über Kapitalerhöhungen, die Börse oder Finanzinvestoren im ersten Jahr der Corona-Krise ein, wie der Branchenverband, die Biotechnologie-Industrie-Organisation (Bio Deutschland), am Donnerstag mitteilte.

Das war demnach mehr als dreimal so viel Geld wie 2019 und mehr als doppelt so viel wie 2018. Allerdings gingen rund die Hälfte dieser Finanzmittel im vergangenen Jahr ausschließlich an Biontech und Curevac, die rund 1,5 Milliarden Euro einsammelten. 300 Millionen Euro davon stammen aus Beteiligungen des Bundes an Curevac.

Zu wenig private Investoren

»Das heißt im Umkehrschluss, dass die restlichen Milliarden sich auf Hunderte andere Unternehmen aufteilen«, sagte der Vorstandsvorsitzende des Verbandes, Oliver Schacht, am Donnerstag in Berlin. Er wünsche sich deshalb mehr solcher Leuchttürme in Deutschland und mutigere Kapitalgeber. Denn im Vergleich zu den USA seien private Investorinnen und Investoren in Deutschland auch aufgrund des hohen Kapitalbedarfs und Ausfallrisikos deutlich zurückhaltender.

»Die Pandemie hat jetzt eine disruptive Änderung gebracht«, sagte die Geschäftsführerin von Bio Deutschland, Viola Bronsema. Die Sichtbarkeit und Wertschätzung der Branche habe sich durch die Coronakrise deutlich erhöht. Deutschland brauche aber mehr Investoren wie den SAP-Gründer Dietmar Hopp und die Strüngmann-Brüder, die Firmen wie den Tübinger Impfstoff-Entwickler Curevac und Biontech mit Millionen unterstützt haben, als diese noch keiner breiten Öffentlichkeit bekannt waren.

Für große Unternehmen ist zu wenig Geld da

Während es im frühen Forschungsstadium für junge Start-ups und Unternehmen in der Branche noch zahlreiche Fördermöglichkeiten auch seitens des Bundes gebe, entstehe in späteren Phasen oft eine…