Bei den Linken passiert gerade etwas Sonderbares: An der Spitze der Partei steht ein Machtwechsel an – und die sonst so streitlustigen Genossen sind sich diesmal ziemlich einig.

Susanne Hennig-Wellsow und Janine Wissler sollen die Linke künftig führen. Beim Parteitag, der nach zwei Verschiebungen nun für Ende Februar angesetzt ist, dürften die beiden mit großer Mehrheit gewählt werden.

Das war im Grunde schon klar kurz nachdem die beiden Frauen im September ihre Kandidatur erklärt hatten. Es fand sich schlicht niemand, der es mit den Politikerinnen aufnehmen wollte.

Alles prima also? Nicht ganz.

Frust macht sich breit

Seit Monaten macht sich hinter den Kulissen bei den Genossen Frust breit. Allen voran bei den einstmals Ton angebenden Lagern in der Partei: den Traditionslinken um Sahra Wagenknecht – und den Reformern von Fraktionschef Dietmar Bartsch.

Die Wagenknecht-Linken konnten bei der Führungsfrage überhaupt kein Wort mitreden. Die Bartsch-Reformer hätten am liebsten den Parlamentarischen Geschäftsführer Jan Korte an der Parteispitze gesehen. Doch der winkte dankend ab.

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Designierte Linkenvorsitzende: Susanne Hennig-Wellsow, Janine Wissler

Foto: Frank May / dpa

Seither ringen beide Gruppen darum, im künftigen Vorstand überhaupt noch eine relevante Rolle zu spielen. Doch vor allem Hennig-Wellsow macht bislang wenig Anstalten, die alten Machtblöcke über ein Mindestmaß hinaus einzubinden. Zuletzt sprachen im Dezember Bartsch-Vertraute bei der thüringischen Landesvorsitzenden vor. Eine Verständigung gab es nicht.

Offene Konfrontation

All das hat ernste Folgen für den innerparteilichen Frieden. Die Bartsch-Reformer suchen nun die offene Konfrontation beim Parteitag. Die Folge ist eine Art innerparteilicher Stellvertreterkrieg.

Denn der Kampf um Einfluss wird nicht in Reihe eins ausgetragen – sondern dahinter. Es geht um den Posten des Bundesgeschäftsführers, den bislang Jörg Schindler innehat. Nach dem Willen von…