Liebe Leserinnen, liebe Leser,

für eine schonungslose Bilanz und ein Versprechen auf Besserung in der Klimapolitik ist viel Atem nötig, das merken die anwesenden Journalisten sofort. »Ich muss mich erst mal akklimatisieren«, sagte Peter Altmaier, als er im Sommer 2020 vor die Presse tritt und japst. Er ist spät dran, gehetzt – im doppelten Sinne. »Wir haben viele Menschen, denen Klimaschutz wichtig ist, enttäuscht«, sagt der CDU-Politiker. Man habe viel Zeit mit halbherzigem Klimaschutz vertan, der immer nur Ziele verkündete, aber nicht etwa, auf welchem Weg diese erreicht werden sollten, erzählte er dem SPIEGEL.

Zusammen mit dem 10-Punkte-Plan, den Altmaier an jenem Tag präsentiert, hat man kurz den Eindruck, die CDU habe die Lehren aus Hitzesommern und vielen Monaten Klimastreik nun endlich gelernt: Bei der Bekämpfung der Klimakrise zählt jetzt die Umsetzung und nicht mehr die Sonntagsrede. 

Vier Monate später befindet sich die Partei im Endspurt des parteiinternen Wahlkampfs. Es gilt, einen neuen Vorsitzenden zu finden, der mutmaßlich auch als Kanzlerkandidat antreten wird. Drei Männer buhlen seit Monaten um die Gunst der Delegierten und hatten reichlich Zeit für einen Wettbewerb der besten Ideen. Am Wochenende wird endlich gewählt. Wo stehen Armin Laschet, Norbert Röttgen und Friedrich Merz gemessen an ihren jüngsten Äußerungen also beim Klima? Wo sind sie, die konkreten Angebote an die »vielen Menschen, denen Klimaschutz wichtig ist« und die von der Partei »enttäuscht« wurden, wie es Altmaier formuliert hatte? 

Friedrich Merz: der Kritiker

Friedrich Merz, der Lauteste der drei Kandidaten lässt sich nicht ganz leicht verorten. In einer Onlinediskussionsrunde Ende letzter Woche sagte Merz, man müsse die Anstrengungen für mehr Klimaschutz jetzt »deutlich verstärken«. In seinem neuen Buch hat er der Ökologie ein eigenes Kapitel gewidmet, in dem der Satz steht: »Der Klimaschutz bleibt damit eine, wenn nicht die zentrale politische Aufgabe unserer…