Einmal noch, dann ist es vorbei. Kamera an, los geht’s, die Chefin spricht. Am Freitagabend wird Annegret Kramp-Karrenbauer sich von der CDU verabschieden, jedenfalls als Vorsitzende. Der Abgang wird stiller sein, einsamer, als das normalerweise der Fall ist, wenn Vorsitzende den Stab übergeben. Eine Rede wird sie halten, klar, aber es werden kaum Parteifreunde da sein, die sich zum Abschiedsapplaus von den Stühlen erheben könnten.

Die Pandemie. Es geht nicht anders.

Vielleicht passt dieser Abgang aber auch zu »AKK« und zu ihrer Amtszeit. Normal war in diesen zwei Jahren, die sie an der Spitze der CDU verbrachte, ja eigentlich nichts. Weder die Hoffnungen, die anfangs in sie gesetzt wurden, als viele glaubten, sie sei die sichere Nachfolgerin Angela Merkels. Noch der Frust, der sich über Kramp-Karrenbauer entlud, als klar wurde, wie überfordert sie damit war, der Partei eine Richtung zu geben.

Es war eine brutale Zeit, so viel kann man sagen. In nur zwölf Monaten fiel Kramp-Karrenbauer, die sich im Saarland über drei Jahrzehnte eine politische Karriere aufgebaut hatte, von weit oben nach weit unten. Und seit einem Jahr muss sie wegen der Pandemie darauf warten, den Vorsitz endlich wirklich abgeben zu können. Auch das noch.

Und was kommt jetzt?

Mittwochmorgen, kurz nach elf Uhr, Deutscher Bundestag. Annegret Kramp-Karrenbauer eilt mit ihrer Entourage in den Verteidigungsausschuss, sie ist ja noch Ministerin, mit Dienstwagen, Helfern, Personenschutz, dem vollen Programm. Unter dem Arm ein dicker Stapel mit Mappen und Papieren. Trotz der Pandemie gilt es vorbereitet zu sein, in kaum einem Ressort ist das so wichtig wie in ihrem. 

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Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer (im Dezember 2019 auf der Korvette »Ludwigshafen am Rhein« vor Zypern)

Foto: Michael Kappeler/ dpa

Ihr Auftritt ist gut geplant. Ohne Einleitung spricht Kramp-Karrenbauer für gut 30 Minuten, ihre Ausführungen klingen wie eine Roadmap für das Jahr 2021,…