In den letzten Tagen des Jahres 2018 war im Bundesverkehrsministerium ungewöhnlich viel los. Es ging um die geplante Pkw-Maut, ein Prestigeprojekt von Verkehrsminister Andreas Scheuer und seiner Partei, der CSU. Am 30. Dezember, einem Sonntag, wurde der Mautvertrag mit den Firmen Kapsch TrafficCom und CTS Eventim geschlossen. Am selben Abend sollte das zuständige Referat noch einen Bericht für den Minister aufschreiben.

Ein Beamter mailte den fertigen »Sachstand« um kurz vor Mitternacht an Staatssekretär Gerhard Schulz. »Ihrer Zustimmung vorausgesetzt, würde ich das Papier morgen an den Minister versenden, oder erfolgt das durch Sie?«, fragte der Ministeriale. Schulz wollte es lieber selbst weiterleiten. »Ich schicke es direkt Min auf seine private email«, antwortete er am nächsten Morgen.

Was für eine private Mailadresse meinte Schulz? Und warum schickte der Staatssekretär das Papier nicht an den regulären Ministeriumsaccount von Andreas Scheuer?

Taktisches Verhältnis zur Wahrheit

Am heutigen Donnerstag wird Schulz vor dem Maut-Untersuchungsausschuss erwartet, zwei Wochen später soll Andreas Scheuer folgen. Das Gremium will herausfinden, wie es zum Scheitern der Pkw-Maut im Sommer 2019 kommen konnte, das hohe Entschädigungszahlungen für den Steuerzahler nach sich ziehen könnte.