In der Coronakrise müssen Frauen für eine medikamentöse Abtreibung wieder persönlich einen Arzt aufsuchen. Das entschied der Supreme Court nach einem Antrag der Administration des scheidenden US-Präsidenten Donald Trump.

Eigentlich ist es Pflicht in den USA, sich die Abtreibungspille »Mifepriston« persönlich abzuholen. Eingenommen darf sie hingegen ohne die Anwesenheit von medizinischem Fachpersonal.

Im Juli hatte der Bundesrichter von Maryland eine Verfügung aufgesetzt, dass die persönliche Abholung während der Pandemie »ein wesentliches Hindernis für den Weg zu einer medikamentösen Abtreibung« darstelle. Dadurch würden die verfassungsmäßigen Rechte von Frauen verletzt.

Durch den Entscheid konnten sich Frauen das Medikament nach Hause schicken lassen. In den ersten zehn Schwangerschaftswochen sind Abtreibungen in den USA zugelassen.

Ähnliche Regelungen ebenfalls ausgesetzt

Obwohl ähnliche Regelungen während der Coronakrise auch für andere Medikamente ausgesetzt wurden, kassierte der Oberste Gerichtshof nun die Ausnahme für das Abtreibungsmedikament. Der Oberste Richter John Roberts, ein Konservativer, sagte, dass es nicht um das generelle Recht auf Abtreibung gehe, sondern um die Achtung der Gerichte vor Regierungsentscheidungen in der Pandemie.

Sechs der neun Richter stimmten für den Antrag der Trump-Administration. Nach dem Urteil teilten die drei liberalen Richter mit, dass sie gegen den Antrag gestimmt hätten.

»Ungerechtfertigte, irrationale und unangemessene Belastung«

Die liberale Supreme-Court-Richterin Sonia Sotomayor sagte nach dem Urteil, dass die Regelung eine »ungerechtfertigte, irrationale und unangemessene Belastung« für Frauen sei.

Der größte Zusammenschluss von Gynäkologen und Geburtshelfern in den USA hatte die Lebens- und Arzneimittelbehörde, FDA, bereits im Mai verklagt. Das Erfordernis, die Pille persönlich abzuholen, setze Patientinnen, Ärztinnen und Ärzte sowie Angestellte unnötigerweise einem größeren Infektionsrisiko…