1. Ein Schuss Hoffnung

Jens Spahn hat im Bundestag die Impfstrategie der Bundesregierung verteidigt und allen Willigen ein Impfangebot bis Sommer in Aussicht gestellt.

Ein mir näher bekannter Schwiegervater gehört zu jenen, die nicht so lange warten müssten. Die Familie war zuversichtlich: Er lebt in Bayern, wo alles immer funktioniert, jedenfalls im Vergleich zu Berlin, wo eine seiner Töchter monatelang daran scheiterte, einen Termin im Bürgeramt zu bekommen, um ihre Ausweispapiere zu erneuern. (Mehr Anekdoten aus dem Berliner Ämterchaos gibt es verlässlich bei den Kolleginnen und Kollegen vom »Tagesspiegel-Checkpoint«.)

Bei der Organisation der Impfkampagne aber, das musste auch der Schwiegervater einräumen, scheint sich Bayern am Berliner Verwaltungshandeln zu orientieren. Auf der Website des Impfzentrums: erst keine Termine, aber eine Telefonnummer. Bei der Hotline: Keine Termine, schauen Sie auf die Website! Widersprüchliche Angaben in der Lokalzeitung, im Netz, in der Nachbarschaft. Kommt vielleicht irgendwann ein Brief? Er ließ sich nicht entmutigen, versuchte es abwechselnd, jeden Tag seit Jahreswechsel, mit dem Computer, dem Smartphone, dem Festnetzapparat. Das muss es sein, was Spahn meint, wenn er sagt, die Abläufe würden noch »ruckeln«. (Hier der Überblick, wie Sie in welchem Bundesland an einen Termin kommen.)

Der Schwiegervater war schließlich erfolgreich, morgen hat er einen Termin. Für Töchter und Schwiegersöhne, für die ganze Familie fühlt es sich erstmals so an, als könnte diese Pandemie wirklich irgendwann vorüber sein.

2. Die Flüchtlinge sind da, nur nicht hier

Zwei Nachrichten und zwei Zahlen, die nicht so recht zusammen passen: Einerseits meldet das Uno-Flüchtlingshilfswerk, dass gerade so viele Menschen wie nie auf der Flucht sind, rund 80 Millionen. Andererseits sanken die Flüchtlingszahlen in Deutschland im vergangenen Jahr 2020 auf ein so niedriges Niveau wie lange nicht. »Die Flüchtlingskrise ist nicht gelöst, sie hat sich nur…