Schottland bereitet nach dem Brexit ein mögliches zweites Unabhängigkeitsreferendum – und eine Wiederangliederung an die EU – vor. Die Europäische Union sei »der größte Binnenmarkt der Welt, und wir wollen dabei sein«, sagte Angus Robertson, früherer Vize der Schottischen Nationalpartei (SNP), der Nachrichtenagentur dpa. Ziel sei demnach eine neue Volksbefragung innerhalb der nächsten Legislaturperiode.

Robertson war jahrelang SNP-Fraktionschef im britischen Parlament und leitet nun einen Pro-Unabhängigkeits-Thinktank. Er warnte den britischen Premier Boris Johnson davor, die Abstimmung in Schottland zu verhindern. Dessen Haltung sei antidemokratisch, sagte Robertson: »Die Regierung spielt mit dem Feuer, wenn sie versucht, die Demokratie in Schottland zu blockieren.« Wenn London »weiterhin mauert, wird die Mehrheit für die Unabhängigkeit eher weiter wachsen.«

Nationalpartei hofft auf absolute Mehrheit

In einer Volksabstimmung 2014 hatte sich eine knappe Mehrheit in Schottland noch gegen die Unabhängigkeit ausgesprochen. Johnson lehnt ein neues Referendum ab und betont, die Frage sei für diese Generation geklärt. Doch Befürworter weisen darauf hin, die Bedingungen hätten sich durch den EU-Austritt verändert. Am 6. Mai soll Schottland ein neues Parlament wählen, die regierende Schottische Nationalpartei (SNP) von Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon hofft auf eine absolute Mehrheit.

Beim Brexit-Referendum 2016 hatte eine klare Mehrheit der Schotten gegen den Austritt aus der EU gestimmt. »Jetzt kann nur die Unabhängigkeit die Möglichkeit zur EU-Mitgliedschaft schaffen, die von der überwältigenden Mehrheit der Schotten gewünscht wird«, betont Fabian Zuleeg, Chef des European Policy Centre in Brüssel. Kirsty Hughes, Direktorin des Thinktanks Scottish Council on European Relations in Edinburgh, weist darauf hin, dass die Befürworter die Demografie auf ihrer Seite hätten. »Bei den Menschen unter 35 Jahren sind 70 oder 80 Prozent für die…