Die Zivilisten seien von bewaffneten Unbekannten am frühen Dienstagmorgen im Dorf Daletti in der Region Benishangul-Gumuz attackiert worden, sagte am Mittwoch Aaron Maasho, ein Berater der staatlichen äthiopischen Menschenrechtskommission (EHRC). „Diese grauenvollen Tötungen müssen aufhören“, sagte er und forderte die föderalen und regionalen Behörden auf, die Sicherheit in der Region zu verbessern. Augenzeugen berichteten dem staatlichen Sender Ethiopian Broadcasting Corporation (EBC), dass bewaffnete Männer insgesamt mehr als 100 Menschen getötet hätten, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. Es müssten noch weitere Leichen geborgen werden. 

Der Hintergrund der Tat war zunächst unklar. Oppositionspolitiker bezeichneten die anhaltende Gewalt in dem betroffenen Gebiet Metekel aber als ethnisch motiviert. Es handele sich um gezielte Angriffe von Gumuz-Milizen auf Mitglieder anderer ethnischer Gruppen in der Region. In der Region, die an den Sudan angrenzt, leben viele Mitglieder ethnischer Minderheiten, die in der Vergangenheit immer wieder Opfer von derartigen Angriffen waren. So wurden bei einem ähnlichen Massaker im Dezember 2020 mehr als 200 Menschen getötet. Metekel wird von der äthiopischen Armee sowie regionalen Streitkräften kontrolliert.

Viele ethnische Spannungen

Im Vielvölkerstaat Äthiopien mit seinen rund 112 Millionen Einwohnern gibt es etliche Spannungen zwischen Bevölkerungsgruppen. Sie haben unter dem seit 2018 regierenden Ministerpräsidenten Abiy Ahmed zugenommen. Derzeit herrscht in der Nordregion Tigray ein militärischer Konflikt zwischen der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF), die dort an der Macht war, und der Zentralregierung in Addis Abeba, die Truppen nach Tigray geschickt hat. Die TPLF dominierte Äthiopien mehr als 25 Jahre lang, bis Abiy an die Macht kam und die TPLF hinausdrängte. Die aktuelle Gewaltwelle in Metekel steht nach Ansicht von Beobachtern nicht im Zusammenhang mit dem Tigray-Konflikt.