Dreizehn Mal hat Nasim Hussein versucht, in die EU zu gelangen. Dreizehn Mal, sagt er, sei er von kroatischen Sicherheitskräften aufgehalten, verprügelt und zurück nach Bosnien und Herzegowina geschleppt worden. Nun haust er in einem Wald im bosnisch-kroatischen Grenzgebiet und fragt sich, wie er den Winter überstehen soll.

Hussein, ein Bauernsohn aus der Nähe von Islamabad, der Hauptstadt Pakistans, 21 Jahre alt, hat gemeinsam mit einem Dutzend weiterer Migranten ein Zeltlager aus Ästen und Plastikplanen errichtet, um sich vor Regen und Schnee zu schützen. Sie haben den Schlammboden notdürftig mit Holzpaletten ausgelegt, die sie in Bihać, der nächstgelegenen Stadt, auf dem Müll gefunden haben.

Es gibt in dem Camp kein Wasser und keinen Strom

Die Männer sitzen aneinander gekauert um ein Feuer. Die meisten von ihnen sind trotz der Minustemperaturen lediglich mit einem Pullover bekleidet, manche tragen Sandalen. Sie zittern.

Hussein reibt sich die Hände. Seine Augen sind gerötet. Er hat nicht geschlafen, weil er Angst hatte, in dem dünnen Schlafsack zu erfrieren. Trotzdem ist er am frühen Morgen zu dem Fluss gegangen, um sich zu waschen. Es gibt in ihrem improvisierten Camp kein Wasser und keinen Strom. Hin und wieder bringen Hilfsorganisationen Essen vorbei, oft ernähren sich die Migranten tagelang von trockenem Brot. »Wir hungern. Wir frieren«, sagt Hussein. »Tiere haben es besser als wir.«