Wer glaubt ernsthaft, dass uns das bisschen Tuch vor Mund und Nase davor schützt, Coronaviren einzuatmen? Und doch tragen noch immer Millionen Menschen in Bus, Bahn und Supermarkt solch selbst geschneiderte Stoffmasken.

Nach zehn Monaten Pandemie, mitten im zweiten Shutdown, während das Virus durch Deutschland tobt. Trotz hunderter Toten und zehntausender Neuinfektionen täglich. Und trotz der noch ansteckenderen Mutationen, die sich auch hierzulande demnächst ausbreiten könnten.

Es wird höchste Zeit, dass wir alle in Risikosituationen die dafür geschaffenen Masken tragen – FFP2-Masken ohne Ventil. Denn diese Produkte werden genau für diesen Zweck erdacht, geprüft und zertifiziert: um Schadstoffe aus der Luft zu filtern, zum Beispiel die berüchtigten Aerosole. Beim Einatmen und beim Ausatmen.

Im Prinzip ist daher der Ansatz des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder richtig, FFP2-Masken im Nahverkehr und im Einzelhandel vorzuschreiben. Allerdings haben Söder und seine Leute die Umsetzung ihrer neuen Pflicht für echte Schutzmasken zuerst nicht gut durchdacht. Sie müssen nun nachsteuern.

Ob im Flugzeug, beim Einkaufen oder auf dem Amt: Eine deutschlandweite FFP2-Maskenpflicht in Innenräumen mit vielen Menschen wäre höchst sinnvoll. Aber die Bundesregierung müsste sie ordentlich vorbereiten. Und die FFP2-Masken kostenlos ausgeben: zumindest an einkommensschwache Bürger.

Die sogenannten Alltagsmasken sind ein Relikt. Aus der Not geboren im vergangenen April, als es losging mit der Maskenpflicht. Professionelle Schutzmasken waren damals Mangelware: »Gold wert«, wie Jens Spahn sagte. Die wenigen, die es gab, sollten Ärzten und Pflegern vorbehalten bleiben. Zu Recht. Selbst einfache OP-Masken waren hier und da knapp. Und: Ein selbst geschneiderter Mund-Nasen-Schutz, ein Schal oder ein Halstuch vor dem Mund sind viel besser als gar nichts. Sie können andere Menschen vor der Tröpfchen-Infektion bewahren, den ausgeatmeten oder ausgehusteten Luftstrom…