Irland zeigt schmerzlich, wie sehr jedes Gefühl von Sicherheit im Hinblick auf das neuartige Coronavirus trügen kann. Noch Anfang Dezember zählte das Land zu den Orten Europas, die nur wenige Corona-Infektionen verzeichneten. Nur einen Monat später sind die Zahlen so hoch, dass selbst Experten aus den USA sorgenvoll auf das kleine europäische Land blicken.

Die Ursachen des rasanten Anstiegs sind vielfältig, eine zentrale Rolle spielt jedoch die besonders ansteckende Mutation B.1.1.7, die aktuell auch in England die Zahlen in die Höhe treibt. Irlands Entwicklung lässt sich deshalb auch deuten als Warnung für den Rest der Welt.

Allein innerhalb der vergangenen 14 Tagen meldeten die Behörden des Landes 1410 neue Infektionen pro 100.000 Einwohner. Am vierten Dezember lag dieser Wert noch bei 78. Von den mittlerweile mehr als 155.000 bestätigten irischen Corona-Fällen seit Beginn der Pandemie wurden rund 65.000 innerhalb der vergangenen 14 Tage dokumentiert – weit mehr als ein Drittel.

Was ist passiert?

Offene Geschäfte, offene Restaurants, Weihnachtstreffen

Im Rückblick machen Experten eine unglückliche Kombination mehrerer Faktoren für den Anstieg der Fallzahlen verantwortlich. Ende November, als noch kaum Corona-Fälle gemeldet wurden, entschieden sich die irischen Behörden für eine Lockerung der Regeln. Anfang Dezember öffneten Geschäfte und Restaurants genauso wie Museen, Galerien, Kinos und Friseure.

Wenige Tage vor Weihnachten fiel auch ein Teil der bis dahin noch geltenden, extrem strengen Reise- und Kontaktbeschränkungen. Erstmals seit Wochen durfte die Bevölkerung ihren Landkreis verlassen, um Freunde und Familie zu besuchen. Große Feiern waren weiterhin untersagt, rund um Weihnachten aber durften sich immerhin drei Haushalte treffen.

»Es wird ein anderes Weihnachten, als es sein sollte«, sagte Irlands Ministerpräsident Micheál Martin noch am 17. Dezember, ohne zu ahnen, wie sich die Situation schon ein paar Tage später entwickeln…