Der Ton des Schreibens ist dramatisch: Mehrere britische Supermarktketten haben wegen des Brexits vor weiteren Schwierigkeiten bei der Lebensmittelversorgung in Nordirland gewarnt. In einem Brief an Staatsminister Michael Gove forderten die Chefs von Tesco, Sainsbury’s, Asda und anderen ein »dringendes Eingreifen« der Regierung in London.

Notwendig sei, eine bislang bestehende Übergangsregelung mit vereinfachten Kontrollen über das erste Quartal hinaus zu verlängern. Die Regelung soll eigentlich am 31. März 2021 auslaufen. Geschehe dies nicht, könne es zu »erheblichen Störungen« in der Lebensmittelversorgung in Nordirland kommen, hieß es in dem Schreiben.

Großbritannien hatte den EU-Binnenmarkt und die Zollunion zum Jahreswechsel endgültig verlassen. Seitdem gibt es vermehrt Schwierigkeiten im Handel wegen Zollvorschriften, Bestimmungen zur Lebensmittelsicherheit und zur Mehrwertsteuer. Vor allem Nordirland ist stark betroffen. Dort gab es bereits Klagen über leere Supermarktregale.

Die Provinz ist zwar Teil des Vereinigten Königreichs, wird aber laut Austrittsabkommen nach den Regeln der EU-Zollunion und des Binnenmarkts behandelt. Damit soll eine harte Grenze zum EU-Mitglied Republik Irland und ein Wiederaufflammen des Nordirland-Konflikts verhindert werden.

Die neuen Handelsregeln zwischen Großbritannien und der EU sorgen auch andernorts für ungeahnte Schwierigkeiten: So müssen britische Lkw-Fahrer für die Fährüberfahrt über den Ärmelkanal ihre Schinkenbrote abgeben.

Die BBC zeigte am Dienstag niederländische TV-Aufnahmen, bei denen der Zoll auch den Proviant der Fahrer kontrolliert. Die Zollbeamten in Hoek van Holland erklären in der Reportage des Senders NPO1 den Fahrern, dass sie tierische Lebensmittel nicht mehr aus Großbritannien ausführen dürfen.

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