Es war insgesamt ein selbstsicherer Auftritt, den Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) kurz vor Weihnachten im Wirecard-Untersuchungsausschuss hinlegte. Man merkte dem früheren Bundesminister und heutigen Berater und Lobbyisten die jahrelange Erfahrung mit einer Rolle in der Öffentlichkeit an.

An einer Stelle aber geriet Guttenberg ins Schleudern und wurde schließlich patzig: Als er auf einen Gastkommentar in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« ( »FAZ«) angesprochen wurde, in dem er sich für ein Leerverkaufsverbot für Zahlungsdienstleister und andere »systemrelevante Branchen« aussprach. Eine passgenaue Botschaft aus Sicht von Guttenbergs damaligem Klienten Wirecard. Denn das Unternehmen profitierte von einem ungewöhnlichen Leerverkaufsverbot für seine Aktie, das die Finanzaufsicht BaFin verhängte.

Gegenüber den Abgeordneten bestritt Guttenberg dennoch jede Verbindung zwischen dem »FAZ«– Beitrag und seiner Arbeit für Wirecard. »Also, das war ein Thema, das mich zu dem Zeitpunkt umgetrieben hat«, so der Ex-Politiker. Er sei »mit Sicherheit nicht der Auffassung von Wirecard bei meinem Artikel gefolgt«. Auch Wirecards mittlerweile inhaftierter Ex-Chef Markus Braun, den Guttenberg mehrmals traf, habe ihn nicht in diese Richtung beeinflusst, erklärte Guttenberg auf Nachfragen sichtlich genervt. »Die Entscheidungen treffe ich schon noch selber«.

Doch ein sogenannter »Aktionsplan Leerverkäufe«, der dem SPIEGEL vorliegt, weckt große Zweifel an dieser Darstellung. Diesen schickte Rüdiger Assion, Leiter der Finanzkommunikation bei der PR-Agentur Edelman, im März 2020 an Wirecard-Chef Markus Braun – also kurz vor Erscheinen von Guttenbergs Beitrag. Das Papier sah Ansprechpartner in Politik, Medien und bei der Börse vor, bei denen offensichtlich für ein Leerverkaufsverbot geworben werden sollte. Unter »Zielgruppe Medien« wird aufgeführt: »Gastkommentar Karl-Theodor zu Guttenberg, FAZ oder Die Welt«. Als Kontakt wird neben Assion selbst auch der…