Als »absolutes Tagesgeschäft« hat der oberste Wirtschaftsberater von Angela Merkel (CDU) im Wirecard-Untersuchungsausschuss die Lobbyarbeit des Skandalkonzerns bezeichnet. Solche Kontakte zu Unternehmen seien grundsätzlich legitim, sagte Lars-Hendrik Röller weiter. »Die Beamten entscheiden ja nicht, sondern wir bereiten das nur vor.«

Auch auf eine China-Reise im September 2019 wurde Merkel von ihren Beamten vorbereitet. Dabei setzte sich für eine Übernahme des chinesischen Unternehmens Allscore durch Wirecard ein. Zuvor hatte der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) das Geschäft bei einem Treffen mit Merkel angesprochen. »Thema ist durch die Chefin an­ge­spro­chen wor­den“, schrieb Röller im Anschluss an Guttenberg. »Bitte hal­ten Sie mich auf dem Lau­fen­den. Ich werde das auch wei­ter flan­kie­ren.«

Aus heutiger Sicht ein peinlicher Vorgang, schließlich ist Wirecard inzwischen pleite und in den größten Bilanzskandal der Nachkriegsgeschichte verwickelt. Warnhinweise, die es zum Zeitpunkt von Merkels Reise bereits zu Unregelmäßigkeiten bei Wirecard gab, wurde offenbar nicht wahr- oder ernstgenommen. »Warum haben wir diese Information nicht gehabt?«, fragt auch Röller heute.

Grundsätzlich aber blieb der Spitzenbeamte bei der Argumentation, die zuvor bereits andere Regierungsvertreter den Abgeordneten vortrugen. Unterstützung, wie sie Wirecard erhielt war demnach normaler Teil der Außenwirtschaftsförderung,. Der Zahlungsdienstleister habe keine Sonderbehandlung erhalten, sagte Röller. »Es hat einfach gepasst.«

Doch mit dieser Erklärung sind auch Vertreter der Regierungsparteien nicht wirklich glücklich. Auf die Frage, was in China passierte, habe er »einfach keine Antwort« erhalten, sagte der CSU-Abgeordnete Hans Michelbach gegen Ende von Röllers Befragung.

»Schon auch mal mit den Leuten treffen«

Die Ausschussmitglieder beschäftigt unter anderem die Frage, wieso Wirecards mittlerweile inhaftierter Ex-Chef…