Die Chancen, dass Sie diesen Text im Homeoffice lesen, standen schon besser: Laut einer repräsentativen Umfrage der gewerkschaftsnahen Böckler-Stiftung haben zu Beginn des »Shutdown Light« im November nur 14 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland überwiegend oder ausschließlich zu Hause gearbeitet. Im April 2020, also kurz nach Beginn der Corona-Pandemie, waren es noch 27 Prozent.

Kein Wunder: Während Bund und Länder für private Treffen immer strengere Kontaktbeschränkungen verhängt haben und bei Verstößen empfindliche Bußgelder drohen, lässt der Staat bei der Arbeit weiter Milde walten. Arbeitgeber werden »dringend gebeten, großzügige Homeoffice-Möglichkeiten zu schaffen«, lautet der Appell von Bund und Ländern. Dabei gäbe es bei vielen Arbeitgebern durchaus noch Spielraum für mehr mobiles Arbeiten.

Theoretisch könnten insgesamt 80 Prozent der Firmen die Arbeit von zu Hause aus anbieten, stellte der Personalvermittler Randstad im Sommer fest. Doch praktisch stößt die Umsetzung dann an Grenzen. Je nach Annahme, was praktikabel oder gar möglich ist, schwanken die Ergebnisse der jüngsten Studien stark: Sie reichen von 17 bis zu über 40 Prozent. Im Juli kam das Münchner Ifo-Institut mit einer neuen Berechnungsmethode zu dem Schluss, dass »etwa 56 Prozent der abhängig Beschäftigten in Deutschland derzeit zumindest zeitweise von zu Hause arbeiten können«.

Angesichts weiterhin hoher Corona-Infektionszahlen und der Sorge vor einer Ausbreitung der offenbar leichter übertragbaren Corona-Variante B117 werden die Stimmen für mehr Homeoffice-Regeln in Deutschland nun lauter: Sowohl Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) als auch CSU-Chef Markus Söder kündigten Gespräche mit Unternehmen an, um mehr Möglichkeiten für Beschäftigte zu erreichen, von zu Hause zu arbeiten.

Der bayerische Ministerpräsident will Arbeitgeber im Freistaat notfalls zu mehr Homeoffice-Möglichkeiten drängen. Zunächst gelte es zwar, vorhandene Potenziale…