Die vom irischen Staat eingesetzte Untersuchungskommission hat laut ihrem offiziellen Bericht eindeutige Hinweise auf den Tod von 9000 Kindern gefunden. Die Mutter-Kind-Heime für ledige Frauen wurden über Jahrzehnte hinweg und noch bis 1998 von religiösen Organisationen, zumeist katholischen Orden, geführt und vom irischen Staat kontrolliert.

Regierungschef Micheal Martin sprach von zutiefst „verstörenden“ Erkenntnissen und einer Mitschuld der Gesellschaft. Der Bericht zeichne das Bild einer „über Jahrzehnte hinweg vorherrschenden frauenfeindlichen Kultur in Irland“. „Wir hatten eine völlig gestörte Einstellung zur Sexualität und Intimität, und junge Mütter sowie ihre Söhne und Töchter mussten für diese Störung einen furchtbaren Preis bezahlen“. Es sei deshalb wichtig, sich mit dieser Tragödie „als Nation“ auseinanderzusetzen.

Micheal Martin will sich am Mittwoch im Parlament im Namen des Staates für das entstandene Leid entschuldigen

Etwa 15 Prozent der Kinder, die in dem untersuchten Zeitraum von 76 Jahren in den Heimen geboren wurden, starben auch dort, wie die Kommission berichtete. Insgesamt waren demnach 56.000 unverheiratete Mütter und 57.000 Kinder in den Heimen untergebracht.

„Kalte und lieblose“ Atmosphäre

Als Haupttodesursachen der Säuglinge und Kinder wurden Atemwegserkrankungen und Magen-Darm-Entzündungen festgestellt. „Die Abwesenheit von professionellem Personal, kombiniert mit einer generellen Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal der in den Mutter-Kind-Heimen geborenen Kinder, hat zu der entsetzlichen Säuglingssterblichkeit beigetragen“, heißt es in dem Bericht. Offensichtlich habe dort eine „kalte und lieblose“ Atmosphäre geherrscht. Alle Frauen litten unter ernsthafter Diskriminierung. Frauen und Kinder hätten niemals in derartigen Einrichtungen sein dürfen, ist das Fazit des Untersuchungsberichts.

Der ehemalige Mutter-und-Kind-Heim in Tuam, County Galway

Die Kommission untersuchte die Gründe für die hohe…