Für die Angehörigen und Bekannten des ermordeten slowakischen Journalisten Ján Kuciak dürfte es zumindest ein schwacher Trost sein: Nachdem der Geschäftsmann Marián Kočner als mutmaßliche Auftraggeber hinter dem Mord im September zunächst freigesprochen war, muss er nun für ein anderes Vergehen ins Gefängnis.

Wegen eines Millionenbetruges müssen sowohl Kočner als auch der ehemalige Wirtschaftsminister Pavol Rusko 19 Jahre in Haft. Das entschied das Oberste Gericht in Bratislava, wie Gerichtssprecherin Alexandra Vazanova der Nachrichtenagentur dpa bestätigte. Die Richter lehnten damit eine Berufung der beiden prominenten Angeklagten gegen das Urteil eines Spezialgerichts ab.

Größter Wirtschaftsprozess in der Geschichte der Slowakei

In dem bisher größten von der slowakischen Justiz abgeschlossenen Fall von Wirtschaftskriminalität ging es um die Fälschung von Schuldscheinen im Wert von knapp 70 Millionen Euro zulasten des Fernsehsenders TV Markiza. Rusko hatte den Sender 1996 gegründet, musste seine Anteile aber verkaufen, als er eine politische Karriere begann. Als er später in finanzielle Schwierigkeiten geriet, einigte er sich nach der vom Gericht nun anerkannten Anklage mit dem Millionär Kočner auf die Fälschung der Schuldscheine zu dessen Gunsten.

Kočner war im September 2020 aus Mangel an Beweisen vom Vorwurf freigesprochen worden, den Mord am Enthüllungsjournalisten Ján Kuciak in Auftrag gegeben zu haben. Dieses Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig, weil die Staatsanwaltschaft dagegen Berufung einlegte. 

Nach dem vorläufigen Freispruch hatte zudem die Ex-Staatssekretärin Monika Jankovska gestanden, für Kočner mehrere Gerichtsverfahren beeinflusst zu haben. Jankovska sitzt seit vergangenen März in Untersuchungshaft und hatte auf eigenen Wunsch ausgesagt.

Kuciak hatte über zahlreiche Betrugsfälle Kočners berichtet. Deshalb habe ihn dieser umbringen lassen, lautete die Anklage im noch offenen Mordprozess. Der Mord an Kuciak und seiner…