Im Horrorfilm steigen sie des Nachts aus ihren Gräbern, mit grotesk verzerrten Gliedern, stierem Blick und immer auf der Suche nach frischem Menschenfleisch. Zombies sind scheinbar tot, niemand rechnet mit ihnen, aber wenn sie dann plötzlich auftauchen, versetzen sie die Lebenden in Angst und Schrecken.

Der prominenteste Untote der Ökonomie ist die Inflation. Seit mehr als einer Generation ist sie aus der Realität der entwickelten Volkswirtschaften nahezu verschwunden. Und doch wird ihre Wiedergeburt mit schöner Regelmäßigkeit vorhergesagt. Ende der Neunzigerjahre war es die Einführung des Euro, die das Gespenst erneut herumspuken ließ. Nach der Finanzkrise führten die billionenschweren Billiggeldprogramme der Notenbanken dazu, dass die Angst vor Preisschüben umging. Das Problem war nur: Die Voraussagen erwiesen sich jedes Mal als falsch.

Wird es diesmal anders kommen? Seit die Zentralbanken in der Pandemie mit Geld um sich werfen, als gäbe es kein Morgen, hat das Thema wieder Konjunktur. Der Londoner »Economist« widmete dem Phänomen kürzlich eine Titelgeschichte. Angelsächsische Ökonomen, die das Inflationsgeraune ihrer deutschen Kollegen bislang als Ausdruck der »German Angst« zu verspotten pflegten, nehmen die Sorgen plötzlich ernst. Und Hans-Werner Sinn, der frühere Chef des Münchner Ifo-Instituts, erinnerte bei einem Vortrag zur Teuerungsdebatte jüngst an den ganz großen Horror: die deutsche Hyperinflation der Zwanzigerjahre.