Die deutsche Industrie traut der Wirtschaft im laufenden Jahr wieder spürbares Wachstum zu. Die Konjunktur dürfte um 3,5 Prozent zulegen, prognostizierte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). »Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie ist groß, die wirtschaftliche Lage bleibt schwierig«, erklärte der neue BDI-Chef Siegfried Russwurm. Eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau sei deshalb in diesem Jahr noch nicht in Sicht. »Es sollte aber eine gute Chance geben, dass das dann im ersten Halbjahr 2022 gelingt.«

Damit ist die Industrie ähnlich pessimistisch wie die meisten Wirtschaftsforschungsinstitute. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hatte zuletzt seine Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr von 5,2 auf nur noch 3,5 Prozent gesenkt. Doch es gibt auch optimistischere Stimmen: Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung etwa hält ein Wachstum »um spürbar über vier Prozent« für möglich.

Im vorigen Jahr war die Wirtschaft wegen der Virus-Krise um rund fünf Prozent eingebrochen. Die genaue Zahl gibt das Statistische Bundesamt am Donnerstag bekannt. »Für die Exporte gehen wir von einer Steigerung um sechs Prozent aus«, sagte Russwurm für 2021 voraus, nach einem Absturz um geschätzt elf Prozent im vergangenen Jahr. Die Industrie sei wichtig für Konjunktur und Wohlstand. »Umso wichtiger ist es, die Industrie weiter am Laufen zu halten – trotz verschärfter Lage, trotz ausgeweiteter Mobilitätseinschränkungen und großflächiger Schulschließungen.«

Der BDI-Präsident und langjährige Siemens-Manager verlangte von der Corona-Politik in Bund und Ländern mehr Berechenbarkeit und eine verlässlichere Planungsgrundlage. »Zurecht ist die Erwartung groß, dass die Politik spätestens im Februar differenzierte und kreativere Lösungen liefert statt weiterer pauschaler Schließungen«, forderte Russwurm. Wichtig seien »explizite Vorschläge für Lockerungen, wo immer möglich und…