Das Stadion würde aus allen Nähten platzen, die Emotionen hochkochen, die rund 15.000 Fans den Außenseiter nach vorne peitschen. Es wäre ein Fußball-Event, wie es Kiel schon lange nicht mehr erlebt hat – könnte die Partie unter normalen Umständen stattfinden. Das skizzierte Szenario bleibt in Corona-Zeiten jedoch ein Wunschtraum. Holstein Kiel muss sein „großes Spiel“ gegen Rekordpokalsieger Bayern München (Mittwoch, 20.45 Uhr MEZ) ohne Zuschauer absolvieren. Dabei ist der Pokal-Hit im Ringen um die sportliche Nummer eins in der Stadt äußerst wichtig.

Die Fußballer befinden sich in einer Art Aufholjagd. „Kiel ist eine ungewöhnliche Sportstadt“, sagt der Sportsoziologe Jens Flatau. Der Professor der örtlichen Christian- Albrechts-Universität findet, dass der Handball-Verein THW, der gerade zum vierten Mal die Champions League gewonnen hat und dessen Erfolgskonto 21 deutsche Meistertitel aufweist, den Fußball bislang in den Schatten gestellt habe. Jetzt laufe jedoch im Zeitraffer ab, was in anderen Städten längst gang und gäbe sei, „dass der Fußball die sportliche Szene bestimmt“. In Kiel dürfte das zunächst einmal auf eine Art Mitbestimmung hinauslaufen. Zu groß ist wohl der Vorsprung der Handballer.

Nach dem Aufstieg in der Zweiten Liga etabliert

Seit drei Jahren spielt der Fußball wieder eine Rolle in der nördlichsten Großstadt Deutschlands. Da gelang den „Störchen“ – der Name soll sich von den weißen Hosen und roten Stutzen der Mannschaft (wie die Störche eben) ableiten – nach 36 Jahren der Wiederaufstieg in die Zweite Liga. Fast wäre ihnen sogar der Durchmarsch in die Bundesliga gelungen. In den Relegationsspielen gegen den VfL Wolfsburg scheiterte Holstein aber knapp.

Seit 2017 in der Zweiten Liga: das aktuelle Team von Holstein Kiel

Seitdem mischen die Kieler – im Moment sind sie Dritter – immer im oberen Teil der Tabelle mit. Der Erfolg bringt aber auch Nachteile mit sich. „Wir hatten jedes Jahr immer wieder starke Umbrüche, haben Spieler…