Im Zuge der Ermittlungen nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut lassen die libanesischen Behörden über Interpol nach dem Besitzer des Frachters »Rhosus« fahnden. Das Schiff soll 2013 große Mengen der hochexplosiven Chemikalie Ammoniumnitrat nach Beirut gebracht haben, die dort Anfang August eine verheerende Explosion auslösten.

Die internationale Polizeiorganisation Interpol habe auf Bitten des zuständigen libanesischen Staatsanwalts eine »Rote Notiz« (»Red Notice«) herausgegeben, mit der nach dem Frachtbesitzer gesucht werde, meldete die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA. Gefahndet wird demnach auch nach einem portugiesischen Händler, der das Ammoniumnitrat 2014 inspiziert habe.

Laut der Nachrichtenagentur AP handelt es sich bei der Fahndung um ein nicht bindendes Ersuchen an die Polizeibehörden, die Verdächtigen provisorisch festzunehmen. Die Namen der Gesuchten wurden nicht offiziell genannt, es soll sich laut libanesischen Medien jedoch unter anderem um den Geschäftsmann Igor Gretschuschkin handeln.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die explodierten rund 2750 Tonnen Ammoniumnitrat ohne Sicherungsmaßnahmen im Hafen gelagert wurden, nachdem sie an Bord der unter moldauischer Flaggen fahrenden »Rhosus« des Russen Gretschuschkin angelandet wurden.

Gemeinsame Recherchen des SPIEGEL und des Journalistennetzwerks Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) hatten jedoch Zweifel an der Darstellung geweckt. Demnach war der wahre Besitzer der »Rhosus« nicht Gretschuschkin, sondern der zyprische Reeder Charalambos Manoli. Er unterhielt den Recherchen zufolge Beziehungen zur Hausbank der Hisbollah im Libanon.

Medien zufolge untersagten libanesische Behörden dem Schiff wegen Mängeln die Weiterfahrt und beschlagnahmten die Ladung. Mittlerweile ist der Frachter gesunken.

Die Ermittlungen zu der Explosion laufen äußerst schleppend. Bislang konnten sie die Umstände der Katastrophe nicht aufklären. So ist weiter ungeklärt, wie…