Zurück auf Los – so fühlt sich Deutschland zehn Monate nach dem ersten Shutdown an: Geschäfte, Schulen und öffentliche Einrichtungen weitgehend geschlossen, Kontakte und Bewegungsradien wieder eingeschränkt.

Auch die Klagen der Einzelhändler klingen ähnlich: Der verlängerte Shutdown werde die Mode-, Schuh- und Lederwarenhändler in den Ruin treiben und zehn Milliarden Euro an Umsatzverlusten bringen, sagen deren Verbände. Eine »halbe Milliarde unverkaufter Modeartikel« werde sich bis Ende Januar auftürmen, zahlreiche Geschäfte stünden nun »vor dem endgültigen Aus«.

Alles düster wie zu Beginn der Pandemie? Nicht ganz: Denn trotz Shutdown ist die Einzelhandelsbilanz für das vergangene Jahr überraschend positiv. Nach aktueller Schätzung des Statistischen Bundesamts legte er ein Rekord-Umsatzplus von 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr hin, so viel wie noch nie seit Beginn der Statistik vor 25 Jahren. Der Grund: der boomende Onlinehandel. Dieser wuchs um rekordverdächtige 31,8 Prozent im vergangenen Jahr – und zog, zusammen mit dem zunehmenden Supermarkt- und Möbelgeschäft, den gesamten Einzelhandel in die Wachstumszone.

Was ist da passiert? Hat sich der deutsche Einzelhandel radikal digitalisiert? Und wie passen die Klagen der Modehändler mit diesem Wachstum zusammen?

Wir haben nachgefragt – bei stationären Händlern aus der Möbel- und Bekleidungsbranche, bei Sportartikelgeschäften und Baumärkten. Dabei haben wir bei den großen, ursprünglich rein stationären Ketten – von IKEA bis Hornbach, von Gerry Weber bis Intersport – einen erstaunlichen Digitalisierungsschub festgestellt. Davon könnten sie noch Jahre profitieren.

Run auf die Webshops

Am Anfang stand der Run auf die Webshops mit gewaltigen Umsatzsprüngen: »Die Bestellvorgänge im Onlineshop sind mit Beginn der Pandemie in Europa drastisch angestiegen«, sagt ein Hornbach-Sprecher. Um gut 80 Prozent habe der Umsatz von März bis Mai in diesem Kanal zugelegt – und das ganze Jahr über…