Surfen, ohne aufgespürt zu werden: Im Darknet ist das möglich. Hier kann man anonym und verschlüsselt Internetseiten aufsuchen – und das lockt auch Kriminelle an. Ab und zu gelingt der Polizei ein empfindlicher Schlag gegen die Cyberkriminalität: So wurde jetzt der „weltgrößte illegale Marktplatz vom Netz genommen“, wie zahlreiche Medien berichten. Die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz im Südwesten Deutschlands teilte am Dienstag (12.1.2021) mit, dass der mutmaßliche Betreiber des „DarkMarket“, wie die Plattform hieß, festgenommen wurde. Außerdem wurden rund 20 Server in der Ukraine und Moldau beschlagnahmt.

Auf „DarkMarket“ wurde so gut wie alles gehandelt: 56 Gramm pures Heroin konnte man für 900 Euro bestellen, ein halbautomatisches Maschinengewehr für 300 Euro. Eine Liste mit Sozialversicherungsnummern von FBI-Agenten gab es für 300 Euro, und Facebook-Passwِörter von 100.000 Nutzern waren zum Schnäppchenpreis von 30 Euro im Angebot.

WikiLeaks ohne Darknet nicht mِöglich

Genau solche kriminellen Machenschaften prägen das Bild vom Darknet in der ِöffentlichen Wahrnehmung. Kaum einer verbindet es mit Themen wie Friedensbewegungen, Whistleblowing oder Meinungsfreiheit – dabei sind auch sie eng mit dem Darknet verknüpft.

So wäre auch WikiLeaks, die Plattform, auf der ab 2006 geheime Dokumente der US-Regierung verِöffentlicht wurden, ohne das Darknet nicht mِöglich gewesen. Denn über das Anonymisierungnetzwerk TOR – so der Name des Browsers, der ins Darknet führt – lassen sich Dateien problemlos verschlüsseln und anonymisiert hochladen.

Lisa Dittmer interessiert sich für die positiven Seiten des Darknets

„Der Tor-Browser ermِöglicht Menschen außerdem, anonym im Internet zu surfen und zensierte Websites aufzurufen“, erklärt Lisa Dittmer von Reporter ohne Grenzen. Sie beschäftigt sich für die Organisation vor allem mit der Freiheit im Internet und weiß, dass es einige Länder gibt, in denen freie Meinungsäußerung ohne das Darknet nicht…