Unterschiede in der Qualität der Gesundheitssysteme und das durchschnittliche Alter der Bevölkerung – in den vergangenen Monaten wurde viel darüber diskutiert, warum in manchen Regionen Europas besonders viele Menschen in der Corona-Pandemie sterben. Ein wichtiger Aspekt ist dabei bislang offenbar zu kurz gekommen.

Politik- und Wirtschaftswissenschaftler argumentieren, dass neben einer guten Infrastruktur und der Demografie der Bevölkerung auch das Vertrauen in die Regierung und Polarisierung in der Gesellschaft eine entscheidende Rolle dabei spielen, wie gut eine Region durch die Krise kommt und wie viele zusätzliche Tote es gibt.

Problem Populismus

Die Politikwissenschaftler Víctor Lapuente und Nicholas Charron von der schwedischen Universität Göteborg und der Wirtschaftswissenschaftler Andrés Rodríguez-Pose von der britischen London School of Economics and Political Science haben Daten zur Übersterblichkeit aus 153 Regionen Europas ausgewertet und mit Studien zum Vertrauen in soziale und politische Einrichtungen in den verschiedenen Gebieten verglichen.

Übersterblichkeit beschreibt, wie viel mehr Menschen in einem Zeitraum gegenüber dem Durchschnitt aus mehreren Vorjahren gestorben sind.

»Wenn die Kluft im politischen Vertrauen zwischen Anhängern und Gegnern der amtierenden Regierungen groß war, gab es während der ersten Welle der Pandemie mehr Covid-19-Todesfälle«, schreiben die Forscher in einem Arbeitspapier. Auch sei die Übersterblichkeit in der ersten Corona-Welle in Regionen mit einer politischen Elite, die die europäische Integration weniger unterstütze, höher gewesen. Insgesamt habe Populismus eine große Rolle gespielt.

Je extremer die Positionen, desto schlechter die Lage

Demnach ist nicht nur das absolute Maß des Vertrauens in einer Gesellschaft entscheidend, sondern insbesondere das Maß der Polarisierung zwischen Unterstützern und Gegnern der Regierung. Die Erkenntnis sei wichtig, um zu verstehen, warum sich Menschen in einigen…