Im Europaparlament spielen sich seit heute Szenen ab, als gehe es um Staatsgeheimnisse. Die Abgeordneten müssen ihre Handys abgeben, bevor sie den Leseraum betreten. Sie dürfen nur allein kommen, Assistenten sind nicht zugelassen. Ganze 45 Minuten haben sie, um die 60 Seiten des Vertrags zwischen der EU und dem Impfstoffhersteller Curevac zu studieren. Währenddessen sind nur handschriftliche Notizen erlaubt.

Angesichts derart strenger Sicherheitsvorkehrungen scheint das mit Spannung erwartete Ergebnis ernüchternd auszufallen. »Ich bin jetzt nicht viel schlauer als vorher«, sagt etwa der französische EU-Abgeordnete Pascal Canfin, der als Leiter des Ausschusses für Umwelt und öffentliche Gesundheit als einer der Ersten Zugang zu dem Vertrag zwischen der EU und dem deutschen Impfstoffhersteller Curevac hatte.

Welches Land wann wie viel Impfstoff erhält, ist bislang geheim

Der Grund für die Enttäuschung: Zentrale Passagen des Dokuments sind geschwärzt. Dabei wäre der Erklärungsbedarf groß. Die Kommission hat mittlerweile 1,5 Milliarden Dosen Corona-Impfstoffe bei insgesamt sechs Firmen bestellt, mit Optionen auf 760 Millionen weitere – eine gigantische Investition. Doch welches Land wann wie viele Impfdosen bekommen soll oder wie die Haftung im Fall von Gesundheitsschäden bei Geimpften geregelt wurde, ist bis heute öffentlich nicht bekannt.

Daran ändern auch die nun offengelegten Teile des Curevac-Vertrags wenig, wie Canfin kritisiert. Die Passage, in der die vierteljährlich vereinbarten Liefermengen stehen, sei geschwärzt. Das Gleiche gelte für zwei von sechs Absätzen, in denen es um die Haftung geht. »So lässt sich nicht beurteilen, wie diese Frage geregelt wurde«, so Canfin.

Sogar der Preis des Impfstoffs sei unkenntlich gemacht worden, obwohl er bereits öffentlich bekannt ist, nachdem eine belgische Staatssekretärin offenbar versehentlich eine Tabelle mit den Preisen aller von der EU bestellten Vakzinen getwittert hatte. Demnach soll eine Dosis von…