Der Handelsverband Deutschland (HDE) warnt, dass viele vom Lockdown betroffene Handelsunternehmen in diesem Jahr in der Insolvenz enden könnten. Eine Umfrage unter 1500 Händlern habe ergeben, dass rund 80 Prozent von ihnen davon ausgehen, dass die derzeitigen Hilfsmaßnahmen nicht zur Existenzsicherung reichen, teilte der HDE mit. Zudem kämen die staatlichen Überbrückungshilfen nicht an.

Zwar brummt das Onlinegeschäft und auch Supermärkte profitieren von der Pandemie, doch Geschäfte in den Innenstädten blicken der Umfrage zufolge pessimistisch auf das gerade begonnene Jahr: »23 Prozent rechnen damit, dass sie ohne weitere staatliche Unterstützung im ersten Halbjahr aufgeben müssen, für das zweite Halbjahr liegt dieser Wert sogar bei weiteren 28 Prozent.«

Der HDE forderte daher »dringend« eine Anpassung der Überbrückungshilfen. Wenn Finanzminister Olaf Scholz (SPD) die Beantragungskriterien besser an die Lage des Einzelhandels anpasse, »dann gibt es noch eine Chance, das Schlimmste zu verhindern«.

Für viele Einzelhändler gilt die sogenannte Überbrückungshilfe III. Bei dieser gibt es bis 500.000 Euro Unterstützung pro Monat für direkt oder indirekt geschlossene Betriebe. Entsprechend der Größe des Umsatzausfalls werden bis zu 90 Prozent der Fixkosten erstattet, die anfallen können. Das sind etwa Mieten und Pachten, und weitere fortlaufende betriebliche Ausgaben, die auch anfallen, wenn der Laden gar nicht geöffnet ist.

Das Problem: Die Gelder fließen sehr spät, frühestens ab Mitte Januar – weil die Software dafür noch nicht fertig ist. »Das Verfahren ist viel zu bürokratisch«, sagte jüngst Stefan Genth, Hauptgeschäftsgeschäftsführer des HDE.

Icon: Der Spiegel