In Großbritannien hat sich die Corona-Lage wegen der Virusmutation nochmals drastisch verschärft. Mitten in der Debatte über härtere Maßnahmen zur Eindämmung und ausgeweitete Kontrollen der Corona-Regeln gerät nun ausgerechnet der britische Premier Boris Johnson wegen einer umstrittenen Radtour in Erklärungsnot.

Johnson war am Wochenende im Olympia Park im Osten Londons gesichtet worden – mehr als elf Kilometer von seiner Dienstwohnung in der Downing Street entfernt. Den britischen Lockdown-Regeln zufolge darf man zwar zum Sport die Wohnung verlassen, soll sich jedoch nur im lokalen Umfeld bewegen.

Für Johnson kommt die Debatte zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Angesichts hoher Fallzahlen versucht die Regierung gerade alles, um die Menschen zu besserer Einhaltung der Regeln zu bewegen.

Rückendeckung von Londons Polizeichefin

Da das »lokale Umfeld« jedoch nicht genauer festgelegt ist, bekam Johnson Rückendeckung von der Londoner Polizeichefin Cressida Dick. Die Tour »war nicht gegen das Gesetz – so viel ist klar«, sagte Dick im BBC-Interview. Gesundheitsminister Matt Hancock hatte zuvor bereits ausgeführt, ein ausgedehnter Spaziergang über elf Kilometer sei in Ordnung. Die Regierung wollte sich jedoch zunächst nicht dazu äußern, ob Johnson mit dem Rad von seinem Wohnsitz aus zum Olympia-Park gefahren war oder mit dem Auto dorthin gebracht wurde.

In Großbritannien breitet sich derzeit mit großer Geschwindigkeit eine neue Variante des Coronavirus aus, die deutlich ansteckender sein soll als die bislang vorherrschende. Vor allem in London stehen die Krankenhäuser unter enormem Druck.

In England und Wales sind im vergangenen Jahr so viele Menschen gestorben wie zuletzt im Jahr 1918, dem Jahr der Spanischen Grippe. Zwischen Januar und Dezember gab es in den Landesteilen 608.002 Todesfälle, wie aus vorläufigen Zahlen der britischen Statistikbehörde hervorgeht. Allerdings sind die Zahlen über so lange Zeiträume schwierig zu vergleichen, da sich die Größe…