In normalen Zeiten muss Thomas Ganguin seinen Kunden nicht hinterherrennen. Sie kommen zu ihm, ins oberbayerische Weilheim. Dort betreibt Ganguin seit sechs Jahren seinen Laden »Tip Tap Kinderschuhe«. Eltern laden auf dem Parkplatz ihre Sprösslinge aus, setzen sich in die roten und beigefarbenen Sessel des Geschäfts – und lassen ihn arbeiten. Ganguin misst, prüft und bringt dann meist drei Paar Schuhe, die dem Nachwuchs passen und den Eltern gefallen sollen. »Selbstbedienung findet hier nicht statt«, sagt der Kinderschuhhändler. Wenn die Kunden kaufen, bleiben ihm im Schnitt gut 50 Prozent Marge, ein einträgliches Geschäft.

Nun aber hat die Regierung das Land in die nächste Shutdown-Verlängerung geschickt, bis mindestens Ende Januar muss auch Ganguins Laden geschlossen bleiben. Das Wintergeschäft ist verloren, seine Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, die Heizung im Laden ist abgedreht. Der Chef hingegen ist beschäftigter denn je. Er berät Kunden per Videochat, bringt die Ware nachmittags persönlich vorbei. 20 Besuche schafft Ganguin auf einer Tour. Das hilft. Nur: Seine Kosten deckt das nicht.