Die Flagge der konföderierten Staaten von Amerika, auch battle flag genannt, wehte im US-Bürgerkrieg über Soldaten des abtrünnigen Südens. Ihr grelles Design half den Truppen, sich im Gefechtsnebel zurechtzufinden. Die Flagge gelangte kurz sogar bis weit nach Norden – nur ins Kapitol der Hauptstadt Washington schaffte sie es wohl nie.

Bis jetzt. Am Mittwoch trug einer der Kapitolsstürmer dieses Symbol für white supremacy stolz durch die Senatsflure. Die Flagge war fast größer als er. Auf Fotos ist dokumentiert, wie er zwei alte Ölgemälde passierte – das eine ein Bild des früheren Vizepräsidenten John Calhoun, einem Sklavereiverfechter, das andere ein Porträt des Senators Charles Sumner, einem Sklavereigegner.

Der Mann mit der Flagge, ein Anhänger von Donald Trump, schien die Gemälde nicht weiter zu beachten. Doch die Signalwirkung seiner Tat war ihm genau bewusst. »Wir haben ein Zeichen gesetzt«, prahlte er später im Gespräch mit dem SPIEGEL.

Ein Zeichen, das nachhallt. Die Flagge des »Verrats« ins Kapitol zu tragen, sei »eine Attacke auf unsere Demokratie«, sagte Rob Lee, ein Nachfahre des Südstaatengenerals Robert E. Lee, der Website »Axios«. »Die Konföderierten haben das Kapitol nun doch gestürmt«, entsetzte sich »Nation«-Korrespondent Elie Mystal.