Drei Monate nach dem gewaltsamen Machtwechsel in dem zentralasiatischen Hochgebirgsland Kirgisistan wird Sadyr Schaparow neuer Präsident des Landes. Er gewann die vorgezogene Abstimmung nach Auszählung fast aller Wahlzettel mit fast 80 Prozent der Stimmen, wie kirgisische Medien berichteten.

Der Zweitplatzierte bei der Präsidentenwahl, Adachan Madumarow, kam der Nachrichtenagentur AFP zufolge auf weniger als sieben Prozent. Er teilte mit, das Ergebnis nicht anerkennen zu wollen.

Bei einem Auftritt in seiner Wahlkampfzentrale versprach Schaparow am Abend laut AFP ein Ende der Korruption und Parlamentswahlen sowie ein weiteres Referendum über die geänderte Verfassung bis Juni. »Wir werden nicht die Fehler vorheriger Regierungen wiederholen«, sagte der 52-Jährige demnach.

Schaparow nach Gefängnis-Befreiung an Macht gekommen

Schaparow war durch Unruhen nach der Parlamentswahl am 4. Oktober an die Macht gekommen, nachdem Anhänger ihn aus dem Gefängnis befreit hatten. Im Zusammenhang mit den Protesten in Bischkek waren mindestens ein Mensch getötet und mehr als 1200 weitere verletzt worden.

Das überwiegend muslimische Kirgisistan mit seinen 6,5 Millionen Einwohnern gilt als vergleichsweise demokratisches Land in Zentralasien, zugleich aber auch als politisch besonders instabil. Bereits in den Jahren 2005 und 2010 hatten Unruhen zum Sturz zweier Präsidenten geführt. Die Kritiker Schaparows befürchten, dass in Kirgisistan demnächst ähnlich autoritäre Strukturen aufgebaut werden könnten, wie sie bereits in Kasachstan, Usbekistan und Tadschikistan herrschen.

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