Es war zu erwarten, dass die letzten Tage von Donald Trumps Amtszeit turbulent werden würden. Doch dieses Crescendo des Irrsinns konnten sich viele Amerikaner wohl in ihren kühnsten Träumen nicht ausmalen.

Während das Repräsentantenhaus bereits in dieser Woche damit beginnen könnte, ein zweites Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten einzuleiten, bereitet sich die Hauptstadt Washington auf mögliche neue Unruhen vor.

Rund um das Kapitol wurden meterhohe Zäune errichtet, Soldaten und Polizisten in Kampfmontur patrouillieren durch die Stadt. Mit dem Großaufgebot von Sicherheitskräften soll das Regierungsviertel bis zur offiziellen Amtseinführung des neuen Präsidenten Joe Biden am 20. Januar beschützt werden.

Trump selbst versucht, zum »Business as usual« zurückzukehren, ganz so, als habe es die Attacke seiner Anhänger auf das Kapitol nie gegeben. Nur mit einiger Mühe konnten Mitarbeiter den Präsidenten wohl davon überzeugen, eine Anordnung herauszugeben, nach der die Flaggen an offiziellen Gebäuden auf halbmast gesetzt werden sollen, um zwei Polizisten zu ehren, die nach den Unruhen gestorben waren.

Das war es für Trump dann aber auch in Sachen Trauer und Anteilnahme. Schon in den nächsten Tagen möchte der Noch-Präsident an die Grenze zu Mexiko reisen, um dort die Fertigstellung von 400 Meilen (circa 644 km) seines Grenzzauns zu feiern. Zudem will er weitere Ehrenmedaillen an Freunde verleihen. In Trumps Familie gibt man sich ebenfalls maximal unbedarft. Trumps Tochter Ivanka postete bei Instagram ein Foto ihres Ehemannes Jared, der fröhlich seinen Geburtstag feierte.

Derweil wächst die Wahrscheinlichkeit, dass das Repräsentantenhaus gegen Trump ein zweites Amtsenthebungsverfahren anstrengt. Am liebsten würden die Demokraten im Kongress um Nancy Pelosi, Trumps Vizepräsident Mike Pence noch dazu bewegen, Trump aus dem Amt zu entfernen. Dazu hätte der Vizepräsident zusammen mit anderen Kabinettsmitgliedern nach dem 25. Verfassungszusatz unter…