Nach massiver Kritik will die Bundesregierung Labore jetzt dazu verpflichten, gezielt nach hochansteckenden Virusmutationen zu suchen. Dafür sollen 200 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden. Das geht aus einem am Montag bekannt gewordenen Entwurf für die Verordnung des Gesundheitsministeriums zur sogenannten Gensequenzierung hervor.

Demnach soll bei positiven Corona-Tests überprüft werden, ob es sich um die in Großbritannien oder Südafrika entdeckten Virusmutationen handelt. Sie gelten als deutlich ansteckender als die bislang bekannten Variationen des Erregers. Die Mutationen haben sich in Großbritannien und Irland bereits stark ausgebreitet und sorgen dort für ein deutliches Anschwellen der Infektionszahlen. Einzelne Fälle wurden auch in Deutschland bereits registriert.

Eine Überwachung der neuen Virusvarianten sei nur möglich, wenn eine ausreichend hohe Zahl von möglichst repräsentativ erhobenen Genom-Sequenzdaten analysiert werde, heißt es in dem Entwurf. Die Verordnung sieht daher vor, dass Labore Ergebnisse sogenannter Sequenzierungen künftig an das Robert Koch-Institut übermitteln müssen. So soll das Pandemiegeschehen künftig umfassend auf molekularer Ebene überwacht werden können, sodass bei Bedarf rechtzeitig entsprechende Maßnahmen ergriffen werden können.

Der Bund reagiert damit auf massive Kritik

Zuvor hatten Kritiker der Bundesregierung vorgeworfen, zu spät und zu langsam auf die Mutation des Virus reagiert zu haben. Die ersten Meldungen über das mutierte, möglicherweise deutlich aggressivere Coronavirus hatten die Öffentlichkeit bereits vor Jahresende erreicht. Dennoch werde diese neue Bedrohung aufgrund fehlender Laborkapazitäten bis heute nicht ausreichend beobachtet, so die Kritik.

In einem Bericht von NDR, WDR und »Süddeutscher Zeitung« hieß es vergangene Woche, in Großbritannien werde etwa jeder 15. positive Corona-Test einer sogenannten Genomsequenzierung unterzogen, um Veränderungen im Bauplan des Virus zu…