Vor rund 15 Jahren hatte die Türkei gerade ihren ersten Satelliten-TV-Sender in Betrieb genommen und war in der Lage, weltweit zu senden. Ein populäres Seriengenre namens Dizi wurde geboren und sprach Zuschauer im Nahen Osten an, die danach lechzten, Geschichten zu sehen, die ihnen näher waren als Seifenopern aus Mexiko, den USA oder Südkorea.

Viele der 200 Millionen Haushalte mit Fernsehern im Nahen Osten begrüßten freudig die ausgesprochen gutaussehenden und wahnsinnig romantischen neuen türkischen Serienhelden. Sie waren Arabisch synchronisiert, trugen arabische Namen und die Handlung war dem Islam verbunden.

Drama, Liebe, große Herrscher – ob türkisch oder arabisch

Die beliebten türkischen Dizi-Exporte kombinieren anschlussfähige Geschichten, spektakuläre Außendrehs und wiedererkennbare Titelmelodien. Die aufwendig produzierten und bis zu zwei Stunden langen täglichen Folgen drehen sich um Liebesgeschichten, arrangierte Ehen, große Familien, das Patriarchat und Kämpfe im Namen der Gerechtigkeit. Aber zu ihrem Erfolg gehört mehr.

Zum einen haben Dizis die Kontrolle der türkischen Zensurbehörde passiert und sind somit frei von „Szenen, die als obszön und moralischen Werten entgegenstehend“ gelten. Dazu gehören sichtbare Nacktheit, Liebesakte und Zungenküsse, während Kämpfe, Gewalt und Waffen als „sicher“ eingestuft werden.

Populär auch in Palästina – Bilder der Serienhelden aus „Noor“ in einer Fabrik in Hebron im Westjordanland, 2008

Zweitens sind die Folgen synchronisiert statt mit Untertiteln versehen – und zwar im syrischen Dialekt, den die meisten Araber besser verstehen als Fusha, das Hocharabisch. In Fusha synchronisiert waren die bis dahin im arabischen Raum verbreiteten Telenovelas aus Mexiko, den USA oder Südkorea.

Und drittens lassen sich Dizis leicht als arabische Stoffe bearbeiten und wahrnehmen. Schon 2007 hatte der größte Fernsehsender in der arabischen Welt, das saudische Middle East Broadcasting Center (MBC), die türkische…