Die „Ocean Viking“ ist mit 22 Mitgliedern der Rettungscrew und des medizinischen Teams wieder ins zentrale Mittelmeer ausgelaufen, um in Seenot geratene Flüchtlinge zu bergen. Das Schiff der spendenfinanzierten Organisation SOS Mediterranée sei von Marseille aus in See gestochen, teilte die Organisation mit. „Wir blicken mit gemischten Gefühlen auf den bevorstehenden Einsatz“, sagte die politische Referentin der Organisation, Jana Ciernioch. „Wir sind erleichtert, dass wir nach fünf Monaten Blockade jetzt wieder retten können.“

Die Bedingungen während der globalen Corona-Pandemie bringen ihr zufolge auch Unsicherheiten für den Einsatz mit sich. Es sei weiterhin ungeklärt, wo die Menschen nach einer Rettung hingebracht werden könnten. „Es gibt keine wirkliche Lösung für die humanitäre Katastrophe im zentralen Mittelmeer“, kritisierte sie.

EU hat keinen Verteilmechanismus

Mit einer Petition habe die Organisation den deutschen Außenminister Heiko Maas aufgefordert, sich während der deutschen Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 für eine europäische Seenotrettung im Mittelmeer einzusetzen. Das Fazit: ernüchternd. „Wir haben nach wie vor keinen zuverlässigen solidarischen Verteilmechanismus innerhalb der EU für Menschen, die aus Seenot gerettet wurden“, sagte Ciernioch. Die Pandemie habe erste Lösungsansätze für einen neuen Mechanismus aus dem Herbst 2019 ausgebremst.

An Bord der „Ocean Viking“ – wie hier im Juli 2020 – kann es auch mal eng werden

Ende Dezember des vergangenen Jahres hatten die italienischen Behörden die „Ocean Viking“ wieder freigegeben. Sie hatten das Schiff zuvor am 22. Juli mit der Forderung festgesetzt, umfassend zum Beispiel mit Rettungsinseln nachzurüsten, falls es einen Notfall an Bord gibt. Zuvor waren die Helfer seit August 2019 im Einsatz gewesen, um in Seenot geratene Bootsmigranten zu retten. Im vergangenen Jahr haben die italienischen Behörden zahlreiche private Schiffe, die Migranten gerettet…