Im vergangenen Jahr haben deutlich weniger Menschen einen Asylantrag in Deutschland gestellt als noch 2019. Das teilte das Bundesinnenministerium am Sonntag mit. »Die Zahlen sinken schon das vierte Jahr in Folge«, sagte Innenminister Horst Seehofer (CSU) laut der Nachrichtenagentur dpa. Der neuerliche Rückgang sei also nicht allein auf die Corona-Pandemie zurückzuführen, die Reisen und Grenzübertritte seit dem Frühjahr 2020 deutlich erschwert.

Nach den Zahlen des Ministeriums ist im vergangenen Jahr für 102.581 Menschen erstmals ein Asylantrag in Deutschland gestellt worden. Darunter sind demnach 26.520 Anträge auf Schutz, die in Deutschland geborene Kinder im Alter von unter einem Jahr betreffen. 2019 waren beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) noch 142.509 Asylerstanträge eingegangen, das entspricht einem Rückgang um knapp 40.000 oder 30 Prozent.

Kritik von Pro Asyl

Die Hauptherkunftsländer der Schutzsuchenden waren im vergangenen Jahr nach Angaben des Ministeriums: Syrien mit 25.373 Anträgen, Afghanistan mit 8051 Anträgen und der Irak mit 7355 Anträgen. Bei 2878 der neu ins Land gekommenen Schutzsuchenden gilt die Herkunft als ungeklärt.

Seehofer äußerte sich positiv über die gesunkenen Zahlen. Laut dpa sagte er: »Unsere Maßnahmen zur Steuerung der Migration wirken. Wir sind auf dem richtigen Weg.« Die Flüchtlingshilfsorganisation Pro Asyl dagegen kommentierte: »Diese geringen Zugangszahlen sind eine Folge der rigorosen Grenzabriegelung Europas.« Die griechisch-türkische Landgrenze sowie die ungarische und kroatische EU-Außengrenze seien systematisch abgeriegelt worden. Schutzsuchende säßen bei winterlichen Temperaturen in Bosnien im Elend fest, ohne eine Perspektive auf Schutz. Kurz vor Weihnachten hatte dort ein Feuer das als Übergangscamp gedachte Lager Lipa zerstört, 2000 Geflüchtete harrten tagelang ohne Obdach aus.

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