Sturm aufs Kapitol
Die USA sind haarschaft an einem Staatsstreich vorbeigeschrammt – sagt ein Historiker

Ausschreitungen vor dem Kapitol in Washington D.C.

© Brendan Smialowski / AFP

Wie gefährlich war der Sturm aufs Kapitol für die Demokratie in den USA? Sehr gefährlich, sagt der Historiker Wolfram Siemann – das Land habe kurz vor einem Staatsstreich gestanden.

Die Welt blickte am vergangenen Mittwoch gebannt nach Washington, wo eine Horde wild gewordener Trump-Anhänger ins Kapitol eindrang und die konstituierende Sitzung des Kongresses zum Abbruch zwang. Dort sollte eigentlich gerade der Demokrat Joe Biden als nächsten US-Präsidenten bestätigt werden.

Verhindern konnten die Eindringlinge das allerdings nicht: mit vierstündiger Verzögerung wurde die Sitzung fortgesetzt, und am Ende rief Vizepräsident Mike Pence Biden zum neuen Präsidenten aus. Der ganze Aufruhr blieb also ohne Wirkung. War der Angriff aufs Kapitol also nur ein Sturm im Wasserglas?

Nein, sagt der Historiker Wolfram Siemann. Der emeritierte Professor fürGeschichte hat in einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ eine kritische Sichtweise der Geschehnisse in…