Bei der Präsidentenwahl in Kirgisistan liegt der Populist Sadyr Schaparow Teilergebnissen zufolge klar in Führung. Fast 73 Prozent der Wähler hätten für Schaparow gestimmt, teilte die Wahlkommission des zentralasiatischen Landes nach Auszählung von knapp 30 Prozent der Stimmzettel mit. Insgesamt waren 17 Kandidaten angetreten, aber auch Schaparows wichtigster Herausforderer Adachan Madumarow, der Chef der Partei Butun, ist weit abgeschlagen.

Nutznießer der Unruhen im Oktober

Der 52-jährige Schaparow war im Zuge der Unruhen nach der Parlamentswahl am 4. Oktober an die Macht gekommen, nachdem Anhänger ihn aus dem Gefängnis befreit hatten. Ausgelöst wurden die Unruhen durch Vorwürfe des Wahlbetrugs zugunsten des Lagers des damaligen Staatschefs Sooronbai Scheenbekow. Nachdem dieser zurückgetreten war, übernahm Schaparow vorübergehend die Geschäfte des Präsidenten und des Regierungschefs. Im Zusammenhang mit den Protesten in der Hauptstadt Bischkek waren mindestens ein Mensch getötet und mehr als 1200 weitere verletzt worden. 

Kirgisische Sicherheitskräfte bei der Stimmabgabe in der Hauptstadt Bischkek

Außer über den neuen Staatschef stimmten die Kirgisen in einem Referendum auch über Verfassungsänderungen ab. Mehr als 80 Prozent votierten dafür, das vor mehr als zehn Jahren abgeschaffte Präsidialsystem wieder einzuführen. 2010 hatte das Land nach dem Sturz des autoritären Präsidenten Kurmanbek Bakijew eine für Zentralasien beispiellose Phase der Demokratisierung erlebt. Die Vollmachten des Staatschefs waren zugunsten der Entwicklung hin zu einer parlamentarischen Republik nach westlichem Vorbild eingeschränkt worden. Dies ist nun wieder vorbei.

„Russland ist unser strategischer Partner“

Bei seiner Stimmabgabe hatte sich Schaparow zum Bündnis mit der Regierung in Moskau bekannt. „Russland ist unser strategischer Partner“. Er steht ansonsten eher für eine nationalistische Politik. Russland unterhält in dem zentralasiatischen Land einen…