Unter normalen Umständen hätten die Linken längst eine neue Spitze. Im vergangenen Juni sollten die Nachfolge der Vorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger geklärt werden. Doch wegen der Coronakrise sagten die Genossen den Parteitag ab. Auch den Ersatztermin Ende Oktober konnten sie nicht halten.

Nun soll auf einem dezentral organisierten Parteitag am 26. und 27. Februar gewählt werden – das ist bislang der Plan. Allerdings könnte angesichts der angespannten Coronalage auch daraus nichts werden. Nach SPIEGEL-Informationen gibt es im Vorstand Erwägungen, dieses Vorhaben ebenfalls zu begraben.

In der Sitzung des Spitzengremiums zum traditionellen Jahresauftakt der Linken diskutierten die Genossen am Sonntag verschiedene Alternativen. So berichten es mehrere Teilnehmer. Eine Variante ist demnach auch ein Aufschub auf die Zeit nach der Bundestagswahl.

Kipping stellte Optionen vor

Parteichefin Kipping sprach den Angaben zufolge diese und andere Optionen an, darunter auch eine digitale Abstimmung mit Briefwahl und eine Verkleinerung der dezentralen Parteitagstreffen auf jeweils zehn Personen. Bislang ist vorgesehen, dass an insgesamt 16 Orten je höchstens hundert Genossen aufeinandertreffen.

Kipping habe in der Sitzung nun klargemacht, dass sie einen Aufschub absolut nicht favorisiere. Allerdings gibt es in der Partei grundsätzlich massive Vorbehalte gegen Briefwahlen. Präsenzveranstaltungen wiederum, egal in welcher Form, halten manche Genossen zum jetzigen Zeitpunkt für nicht vermittelbar – selbst wenn dies rechtlich zulässig sein sollte.

Nach SPIEGEL-Informationen sprach sich in der Sitzung vor allem der sächsische Landeschef Stefan Hartmann dafür aus, einen langfristigen Aufschub zumindest in Betracht zu ziehen. »Was wäre das für ein Signal, wenn wir den Menschen sagen, dass sie zuhause bleiben sollen, und wir uns zum Parteitag treffen?«, sagte er auf Nachfrage.

Einen Nachholtermin im Sommer lehnt Hartmann zudem ab. »Dann sind wir mitten im Wahlkampf und…