SPIEGEL: Herr Dornburg, was haben Sie gedacht, als Sie die Bilder der Kapitol-Erstürmung in Washington gesehen haben?

Dornburg: Es war erschreckend und auch enttäuschend zu sehen, wie quasi angeführt vom Präsidenten ein Sturm auf das vielleicht wichtigste Gebäude der amerikanischen Demokratie stattfindet. Dabei war das nicht einmal völlig unerwartet angesichts des aufgeheizten Klimas. Wir können nur hoffen, dass jetzt wieder Ruhe einkehrt und das Gegeneinander aufhört.

SPIEGEL: Die Wirtschaft hat vier Jahre lang geschwiegen, während US-Präsident Donald Trump die politische Kultur zerstört hat. Jetzt fordern manche Unternehmensvertreter gar seine Absetzung. Kommt der Widerstand nicht ein bisschen spät?

Dornburg: Wir alle haben gelernt, Respekt gegenüber Ämtern zu zeigen. Das ist tief verwurzelt.

SPIEGEL: Aber Trump hat das Amt beschädigt und das nicht erst seit dieser Woche.

Dornburg: Ja. Es hätten sicherlich mehr Leute früher die Notbremse ziehen sollen. Wenn man sich unwohl fühlt, sollte man es sagen und etwas unternehmen, sonst könnte es zu spät sein, das haben wir einmal mehr gesehen. Wir Deutsche haben vor dem Hintergrund unserer Geschichte vielleicht ein geschärftes Bewusstsein dafür, wie schnell eine Demokratie abgleiten kann. Es gab da schon erschreckende Parallelen.