Um gleich mit einer Legende aufzuräumen: Kleopatras Nase war wohl gar nicht so hübsch. Eher markant wirkt sie auf antiken Münzen. Auf manchen Prägungen wächst sie sich sogar zum enormen Zinken aus.

Die ägyptische Pharaonin (51 bis 30 vor Christus) dürfte damit eine Melange an Düften im antiken Alexandria erschnuppert haben: Der modrige Geruch des Nildeltas wird sich in der Stadt am Mittelmeer mit dem Gestank halb verwester Fische, tierischer Ausdünstungen und menschlicher Exkremente vermischt haben.

Um den Mief zu mildern, räucherten die Ägypter Myrrhe, Weihrauch und Kampfer und pflanzten duftende Blumen. Ihre Toten salbten sie mit wohlriechenden Ölen. Jahrtausendealte Hieroglypheninschriften zeugen von Duftmischungen zur Luststeigerung und gegen Ungeziefer. Wer es sich leisten konnte, bestellte teure Parfüms. Die Armen hingegen konnten den Dunst der Kloake nur gelegentlich mithilfe von Räucherkügelchen überdecken.

»Die alten Ägypter gehörten zu den Ersten, die Gerüche dokumentierten und bewerteten«, sagt Dora Goldsmith, Doktorandin an der Freien Universität Berlin. Die Ägyptologin gehört zu einer kleinen Schar von Experten weltweit, die sich mit der Geruchswelt des alten Ägyptens beschäftigen. Uralte Schriften durchkämmt Goldsmith, 34, nach Hinweisen auf die »Geruchslandschaften« der Hochkultur. Die Analyse lasse Rückschlüsse auf Kultur, Bräuche und Glauben der Ägypter zu: »Über Düfte mehr über die Kultur Ägyptens zu lernen ist eine enorme Chance, die bislang noch viel zu wenig genutzt wurde.«