Kaum etwas schweißt so zusammen wie geteiltes Leid. Auch im Fall Wirecard: Erst standen Deutschlands Banken und die Finanzaufsicht Spalier beim Aufstieg des vermeintlichen Wunderkonzerns, nun, seit dessen Kollaps im Juni 2020, klagen die Steigbügelhalter unisono, Opfer perfider Betrüger geworden zu sein – eine ebenso simple wie bequeme Erklärung des Desasters.  

Vielleicht hätten sie bloß rechtzeitig und genauer hinschauen, vor allem aber den Mut haben sollen, gegen den Strom zu schwimmen. Das war möglich, wie vertrauliche Unterlagen aus dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Bundestags zur Wirecard-Affäre zeigen, die der SPIEGEL auswerten konnte. Demnach kam Wirecard den Fachleuten der Bayerischen Landesbank (BayernLB) bereits im Frühjahr 2018 dubios vor, also gut zwei Jahre vor dem Zusammenbruch. Zu dem Zeitpunkt war die staatliche Landesbank wie viele andere Institute noch Kreditgeber des Konzerns, der stramm auf dem Weg in den Deutschen Aktienindex (Dax) war. Ein Kunde also, den kein Geldhaus leichtfertig vergraulen würde.