1. Anspruch und Wirklichkeit klaffen in der Arbeit von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn weit auseinander

Er wolle Männer um sich, »die nachts gut schlafen«, auf die könne man sich in der Politik verlassen – das behauptet Julius Cäsar in einem Theaterstück von William Shakespeare. Diese Worte gehen mir öfter durch den Kopf, wenn ich in diesen Tagen dem stets extrem gut ausgeruht wirkenden Jens Spahn bei seinen Auftritten als Gesundheitsminister zusehe. Spahn ist ein Politiker, der in der Coronakrise populär geworden ist. In den Umfrage-Hitlisten ist er manchmal noch vor seiner Chefin Bundeskanzlerin Angela Merkel platziert.

In den letzten Tagen und Wochen aber läuft es schlecht für Spahn, das beschreibt ein Team von SPIEGEL-Kolleginnen und -Kollegen nun in einem kritischen und mit vielen überraschenden Details aufwartenden Porträt. »Handelt es sich bei Spahn um das größte Talent der deutschen Politik? Oder um den überschätztesten Politiker des Landes?«, das sind die zentralen Fragen in dem Text. Er beschreibt die Arbeit eines Mannes, dem viele Menschen im Augenblick das mächtigste Amt im Staat zutrauen.

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Gut zu erkennen: Jens Spahn im Nirgendwo

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Andreas Chudowski / DER SPIEGEL

Innerhalb der CDU ist Spahn allerdings umstritten wegen seines halbherzigen Engagements für den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet, der beim digitalen CDU-Parteitag am Samstag gegen Norbert Röttgen und Friedrich Merz im Kampf um den Vorsitz der Partei antritt. Noch mehr angeschlagen ist Spahn in seiner Rolle als wichtiger Krisenmanager im Kampf gegen die Corona-Pandemie – unter anderem wegen der nur schleppend anlaufenden Impfungen in Deutschland. Der Minister selbst hat zugegeben, dass es bei der größten Impfaktion aller Zeiten »an der ein oder anderen Stelle ruckelt«. Die SPIEGEL-Kolleginnen und -Kollegen schreiben: »Die Wahrheit ist: Es ruckelt nicht nur. Es rumpelt gewaltig.«

Tatsächlich scheint es nicht…