Und dann steht er plötzlich dort, auf dem Podium des US-Senats, im Zentrum der Macht. Ein bärtiger Mann mit Fellmütze und Hörnern auf dem Kopf, den nackten Oberkörper voller Tätowierungen, um den Hals eine schwere Metallkette, das Gesicht rot, weiß und blau geschminkt. Wie ein Vorbote aus der Hölle. In der Hand hält er eine amerikanische Flagge. Er blickt sich um. Sämtliche Senatoren sind geflohen. Bis auf eine Handvoll Männer, die mit ihm ins Parlament eingedrungen sind, ist der Raum leer. »Wo ist Pence? Zeig dich!«, rufen die Eindringlinge.

US-Vizepräsident Mike Pence sollte im Senat darüber wachen, dass die Stimmen der Wahlleute ordnungsgemäß ausgezählt werden, die den Wahlsieg des künftigen Präsidenten Joe Biden bestätigen. Normalerweise ist das ein feierlicher Moment in der demokratischen Machtfolge, wenn ein Präsident aus dem Amt scheidet. Aber die Tatsache, dass Pence dabei überhaupt mitspielt, macht ihn zur Hassfigur vieler Anhänger des Nochpräsidenten.

Der Mann mit der Fellmütze heißt Jake Angeli und wirkt, als wäre er aus einem düsteren Computerspiel gefallen. Er ist ein glühender Fan von Donald Trump und zugleich ein entschlossener Anhänger der rechten Verschwörungstheorie QAnon. Angeli hat es in der Verschwörungsszene als »Q-Schamane« zu einer gewissen Bekanntheit gebracht. Seit Monaten taucht er auf Kundgebungen und Veranstaltungen auf, um für den Präsidenten zu protestieren, er lief auch als Gegendemonstrant auf »Black Lives Matter«-Protesten mit. Einer Interviewerin erzählte er im vergangenen Sommer, er wolle dem Präsidenten zeigen, dass es Patrioten gebe, die ihn bei allem unterstützten, was er tue. Einen ergebeneren Anhänger kann sich Trump kaum wünschen.